Jedermann – Teil III: Eine fremde Welt

Ich entschuldigte mich für einen Augenblick und verließ das Kaiserkaffee, in dem ich mit meiner Verabredung zu Abend gegessen hatte. Es lag etwas versteckt in einer Nebengasse des Viertels, wo der ständige Bahn- und Autoverkehr nicht störte. Ich war zugegeben ein wenig stolz: Der Flair von Snobismus und Abgeschiedenheit kombinierte sich ganz wundervoll mit der […]

Jedermann – Teil II: Ein unscheinbares Abendessen

Den Tag meiner Verabredung verbrachte ich in kindlicher Vorfreude. Sie hatte noch nicht geantwortet, aber ich war mir meiner Sache so sicher, dass ich den gesamten Morgen schon mit Vorbereitungen zubrachte. Ich probierte sicher ein halbes Dutzend verschiedener Hemden, Westen, Sakkos und Hosen aus, kombinierte und verwarf sie wieder. Zu aufdringlich, zu bemüht, zu sportlich, […]

Jedermann – Teil I: Ein netter Kerl

Ich fühle mich schlecht. Als hätte ich seit einigen Tagen nichts gegessen und meine Magensäfte würden sich über mein beschädigtes, schwächliches Gedärm hermachen. Eine Art von Sodbrennen, glaube ich, obwohl kein Arzt in den letzten Jahren mir etwas dazu sagen konnte. Die meisten hielten mich sogar für gesund. Ich weiß es besser als sie. Mittlerweile […]

Grotesk – Teil VII: Eingebildet

Seine eigenen Gedanken waren der einzige Rückzugsort, der Wagner geblieben war. Seine Stimme und selbst seine eigenen Augen hatten ihn verraten. Davon war er überzeugt. Sie verrieten ihn mit jedem Satz, den er sprach und der über irgendein Mikrophon aufgenommen wurde, über irgendeinen Bildschirm transportiert wurde. Aber solange er nicht sprach, solange er sich vollständig […]

Grotesk – Teil III: Besetzt

Das Klingeln seines Telefons riss Wagner aus seinen Gedanken. Er fuhr sich über die müden Augen, blinzelte. Es war Nacht geworden, spät in der Nacht. In seiner Wohnung war es finster, bis auf das leuchtende Rechteck seines Computermonitors und das bebende Licht seines Mobiltelefons. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er wieder Stunden vor seinen […]

Grotesk – Teil I: Abgeblitzt

Niemand konnte guten Gewissens die Wörter „Kunst“, „Schönheit“ oder auch nur Anstand mit dem in Verbindung bringen, was am Abend des dreizehnten August in einer alten Kirche am Landwehrkanal geschah. Die gesamte Einrichtung war mehr ein Mahnmal gegen alles, was in anständiger Gesellschaft als Kunst galt. Sie war gefüllt mit Personen, die einer Art Gottesdienst […]