Roter Löwe – Teil II: Unerbetene Antworten

Die Kapelle, in der Balthasar das Grab des letzten Hexenjägers vermuteten, war eine Groteske. Sie stand auf einem winzigen Friedhof, der im Lauf der Jahrhunderte zu einem Hügel angewachsen war. Mehr und mehr Leiber waren in die Erde gelassen worden, bis sie sich aufgebläht hatte und nun ihre einstige Friedhofsmauer weit überragte. Eingekesselt zwischen zwei […]

Roter Löwe – Teil I: Schmutzige Geheimnisse

Manche Dinge sind von Jahrhunderten des Vergessens mit aller Absicht begraben worden. Nicht etwa, weil Einzelne es zu ihrer Aufgabe gemacht hatten, gewisse Wahrheiten zu verbergen und unter Schmutz und Nebel zu verstecken – obwohl es mehr als genug Handlanger und Büttel gab und immer noch gibt, die die wahre Geschichte der Welt zum Vergnügen […]

Infestatio – Teil IV: Unter Blumen

Auszug aus dem Entlassungsprotokoll von Friedrich Andersen Nein. Nein, ich bleibe hier. Genau hier im Revier oder in meiner Zelle oder wo auch immer. Sie können mich nicht gehen lassen, hören Sie? Sie können mich hier nicht einfach fortjagen wie einen gemeinen Tagedieb und wieder dort hinaus schicken. Ich habe einen Mord gestanden. Karl Längenfeld […]

Infestatio – Teil III: Singen in der Gruft

Sie schauen mich an, als glaubten Sie mir nicht. Als bezweifelten Sie die Dinge, die ich Ihnen hier unterbreite. Nein, eher noch sehen Sie aus, als wären Sie sogar im Zweifel darüber, dass ich wirklich getan habe, was ich behaupte. Sagen Sie: Halten Sie mich für verrückt? Ich würde es Ihnen nicht verdenken. Ich wünschte […]

Infestatio – Teil II: Der Reiz des Verbotenen

Ich gestand recht freimütig, dass ich Verbrechen begangen habe. Störung der Totenruhe, wie sie es nennen, Einbruch, Landfriedensbruch, Vandalismus. Nennen Sie es, wie Sie es wollen – deswegen bin ich nicht hier. Ich habe Karl getötet. Ja, ich habe ihm den Schädel eingeschlagen vor vielleicht drei Stunden. Deshalb bin ich hier und rede mit Ihnen. […]

Infestatio – Teil I: Kopf verloren

Auszug aus dem Protokoll zur Vernahme von Friedrich Andersen Sie müssen mir glauben, hören Sie? Sehen sie das Blut an meinen Händen, auf meiner Kleidung? Ich bin es, den sie suchen und ich liefere mich Ihnen aus für meine gerechte Strafe. Nein, nicht wegen dieses verdammten Schädels. Ich habe es Ihnen schon einmal gesagt: Mir […]

Bild eines Lebens – Teil III: Die Stimme meiner Träume

An diesem Tag habe ich nicht viel geschlafen. Gar nicht eigentlich, wie die nächsten auch nicht. Aufregung war nicht der Grund gewesen, Nervosität auch nicht. Ich war todmüde nach dieser Nacht, ein großer Teil der Anspannung war schon während der Arbeit von mir abgefallen. Als wäre ich…als wäre ich völlig in meiner Arbeit aufgegangen, nicht […]

Bild eines Lebens – Teil II: Alte Erinnerungen

Ich tätowierte Franky also noch am selben Abend. So hieß der Knabe übrigens. Hatte sich jedenfalls so vorgestellt. Seltsamer Name für so einen Typen, dachte ich. Passte nicht zu dem Vertrag, mit dem er ankam, den ganzen Regeln. Zehn Seiten juristischen Geschwätz, das ich nie verstanden habe, egal wie oft ich ihn später angesehen habe. […]

Das Bild eines Lebens – Teil I: Der Bettler

Warum ich trinke? Damit meine Hände zu zittrig sind, um die Nadel noch zu führen. Damit ich sie nicht mehr halten kann und nie wieder in Versuchung komme, ein Bild zu stechen. Ein echtes Bild, meine ich. Nicht diese kleinen Brandzeichen von Narben und Junkies. Kunst, meine ich. Bei Gott, ich hoffe, ich muss nie […]

Grotesk – Teil VII: Eingebildet

Seine eigenen Gedanken waren der einzige Rückzugsort, der Wagner geblieben war. Seine Stimme und selbst seine eigenen Augen hatten ihn verraten. Davon war er überzeugt. Sie verrieten ihn mit jedem Satz, den er sprach und der über irgendein Mikrophon aufgenommen wurde, über irgendeinen Bildschirm transportiert wurde. Aber solange er nicht sprach, solange er sich vollständig […]