Am Tag von Elisabeths Prüfung kam ich recht zeitig nach Hause. Selin hatte mich von der Arbeit weiterhin freigestellt und ich harrte in fürchterlicher Erwartung ihres Urteils über mein Versagen aus. Trotzdem sah ich Elisabeth nicht. Sie war nicht dort und nicht zu erreichen. Auch Marie ging nicht an ihr Telefon. Ich verharrte in der Wohnung und hatte somit genug Zeit, mich in meinen Zweifeln zu versenken. Und in dem, was Marie mir gesagt hatte.

Wir werden uns von dieser Scheiße nicht brechen lassen, hatte sie gesagt.

Sie hatte recht, in einem gewissen Umfang. Natürlich hatte sie Recht, Marie war um einiges scharfsinniger als ich. Aber es war etwas wahres daran, das ich so nicht gesehen hatte. Ich hatte keine Ahnung, was für ein undankbarer Job es war, die Beste sein zu wollen. Elisabeth hatte sich in ihre Arbeit vergraben, war beinahe vollständig mit ihr verwachsen. Sie war so ein großer Teil von ihr, dass sie eigentlich untrennbar mit ihr verbunden war. Elisabeth dazu bringen zu wollen, ihrer Berufung nicht alles in seinem Leben unterordnen zu wollen, wäre zum Scheitern verdammt.

Und ich… Ich war nicht dazu ausgebildet, irgendjemandes psychischen Probleme zu behandeln. Am allerwenigsten die einer anderen Person. Von den Anderen konnte ich keine Hilfe erwarten. Winterstein, sofern er diesen Zustand überhaupt als ein Problem ansah, würde Elisabeth dafür bestrafen. Selin würde darin nur ihren eigenen Vorteil suchen, davon war ich nach unserem letzten Streit überzeugt. Und Marie… Marie schien überzeugt davon, dass sie es alles im Griff hatte. Dass sie Elisabeth eine Waffe gegeben hatte, wenn ich auch nicht wusste, was das für eine Waffe sein sollte.

Gut, dachte ich damals. Wenn Marie ihr Schwert war, würde ich eben Elisabeths Schild sein müssen. Notfalls auch vor ihr selbst. Ich musste sie nur zu ihrem Glück zwingen. Wenn Sie denn je wieder auftauchen würde.

Nach zwei Tagen der Einsamkeit mit meiner eigenen Feigheit war ich überzeugt, dass Elisabeth nurmehr jemanden zum reden brauchte. Jemanden, der nichts mit ihr und ihrer Arbeit zu tun hätte, dem gegenüber sie sich öffnen könnte. Ich mochte mich für einen Freund halten, aber ich war auch ein Konkurrent und konnte sie nur unabsichtlich an ihr Versagen erinnern.

Nach zwei Tagen kam Elisabeth zurück nach Hause. Sie schreckte mich aus dem Schlaf aus, als sie in die Wohnung polterte. Offenkundig war sie betrunken: Sie lallte unverständliches und hatte derart die Kontrolle verloren, dass sie neben dem Schuhregal und dem Schirmständer auch sich selbst umwarf, als sie sich die Schuhe auszog. Ich setzte sie aufrecht gegen die Wand, fixierte ihren Kopf und untersuchte ihre Augen. Sie waren blutunterlaufen, die Pupillen groß wie Aschenbecher.

„Hast du Drogen genommen?“, fragte ich.

Sie schüttelte den Kopf.

„Ja!“, sagte sie und verschränkte trotzig die Arme.

„Cannabis, MDMA?“

Elisabeth runzelte die Stirn. „Ja“, sagte sie und zuckte mit den Schultern. Ihr folgendes Kichern ging nahtlos in ein Würgen über. Sie spuckte in den Flur, schaffte es mit meiner Hilfe aber noch bis ins Badezimmer. Ihr Erbrochenes war weitgehend flüssig, bis auf vereinzelte unverdaute Brocken von Currywurst und Fritten. Aber ansonsten war es unverdächtig. Keine Einblutungen oder dergleichen.

Sie kotzte sich etwa eine halbe Stunde in ihrem Klo aus, während ich dabei stand und sicher ging, dass sie nicht einfach umkippte. Danach kroch sie von selbst ins Bett und schien soweit stabil zu sein. Als ich sie zudeckte und ihr Wasser neben das Bett stellte, bemerkte ich ihre Arme. Unter den langen Ärmeln ihres Hemds waren ihre Unterarme bandagiert, frisches Blut drückte sich durch. Sie rochen faul. In ihrer Armbeuge fand ich einige Einstichlöcher, kaum größer als Mückenstiche, aber schlechter durchblutet. Große Flecken hatten sich darum gebildet, wo sich ihr Blut unter der Haut ausgebreitet hatte – oder sie im Rausch

Sie verschlief den ganzen nächsten Tag, ohne wirklich zur Ruhe zu kommen. Alpträume plagten sie, die ich nicht verstand, obwohl sie immer wieder aufschrie. Mehrfach öffnete sie für einige Sekunden die Augen, starrte mich oder eine dunkle Ecke ihres Zimmers an, ohne dabei eine Wachphase zu erreichen. „Verschwinde“, murmelte sie immer wieder, in einer endlosen Litanei, wenn sie diese Schwebe zwischen Schlaf und Wachen erreichte. „Verschwinde aus meinem Kopf.“

Ich konnte nichts tun, als regelmäßig nach ihr zu sehen und sie mit Beruhigungsmitteln zu versorgen, so gut es ein Medizinstudent im dritten Semester eben konnte. Ich wollte nicht, dass sie an ihrem eigenen Erbrochenen erstickte. Es reichte, dass einer von uns beiden nachlässig geworden war.

Elisabeth überstand die Nacht ohne weitere Schädel. Als sie aber erwachte, wirkte sie lädiert. Sie klagte über Kopfschmerzen, Übelkeit, brach regelmäßig in kaltem Schweiß aus und verweigerte die meiste feste Nahrung – die harmloseren Symptome eines erstklassigen Katers. Daneben stank sie wie eine halbe Studentenverbindung.

„Wie geht es dir?“, fragte ich gegen Nachmittag, als sie es immerhin geschafft hatte, die Fenster ihres Schlafzimmers zu öffnen und ihr persönliches Miasma mit etwas Licht und frischer Luft zu vertreiben.

„Beschissen.“

„Gut. Wird dir vielleicht eine Lehre sein.“ Ich lächelte schief, aber sie blieb missmutig und wühlte sich tiefer in die Kissen ihres Bettes. „Ich hab mir Sorgen um dich gemacht.“

„Mir geht es gut“, sagte sie.

„Ich dachte beschissen?“

Ich lehnte neben dem Fenster und genoß die Luft, die an mir vorbei strömte. Langsam zündete ich eine Zigarette an. Weniger, weil ich rauchen wollte, und mehr, um den Gestank von kalter Asche, Erbrochenem und allerlei Körperflüssigkeiten nicht so scharf zu riechen.

„Geh. Weg“, knurrte sie.

„Kann ich nicht“, sagte ich und zuckte mit den Schultern. Ich starrte auf den Bahnhof hinunter, der in der Herbstluft glänzte. Die Züge der Stadtbahn zuckelten vorbei, transportierten all die Menschen weiter, die nicht wie wir an einem Donnerstagnachmittag die Kontrolle über ihr Leben verloren hatten. „Sobald ich dich aus den Augen lasse, verschwindest du wieder.“

Elisabeths Stimme wurde von dem Kissen gedämpft, das sie sich auf ihr Gesicht presste. „Würde ich nicht. Ich würde nicht verschwinden, ich würde hier bleiben.“

„Wenn, dann nur weil du irgendwo einen Vorrat hast. Und ich bin zu anständig, um dein Zimmer nach weiteren Nadeln zu durchsuchen. Also spiele ich Kindermädchen bis ich sicher bin, dass du nicht an deiner eigenen Kotze erstickst.“

Im Cafe am Platz vor unserer Wohnung drängten sich langsam die ersten Gäste zusammen. Es war ein milder Tag gewesen, die Luft weniger von Ruß und Smog verseucht als sonst. Ein grauer Mann zog an den Tischen vorbei, verkaufte einige seiner Gedichte und Lieder an Paare. Eine weitere Stadtbahn rauschte vorbei. Ich folgte ihrer Fahrt mit den Augen die höher gelegten Schienen entlang, bis nach Westen, wo sie sich nach einem Kilometer oder so zwischen den Häusern verlor.

„Ich würde nicht…“

„Lass es“, sagte ich und klang dabei mehr müde als alles andere. „Lass es einfach. Die Betäubungsmittel aus dem Medizinschrank fehlen und ich weiß genau, dass nach dem letzten Treffen noch Schnee da war. Der jetzt ebenso fehlt.“

Hinter mir raschelte es leise. Als ich mich umdrehte sah ich, dass Elisabeth unter den Kissen hervor gekrochen war und sich aufgesetzt hatte. Ihr Gesichtsausdruck war an Trauer und Kummer vorbei geschossen und war bei tiefempfundenen Elend angelangt. Wortlos starrte sie mich an. Bis heute kann ich nicht sagen, ob sie mir nicht sagen konnte oder wollte, was damals in ihr vorging. Bis heute bereue ich es, nicht gefragt zu haben. Ich zuckte mit den Schultern, schleuderte den Zigarettenstummel aus dem Fenster.

„Du bist erwachsen“, sagte ich. Ein dummer Satz, zumal ich hier der kleine Junge war, dem sie auf die Beine geholfen hatte. Ich traute mich nicht, ihr in die Augen zu schauem, während ich sprach. „Ich werd dir nicht sagen, was du tun und lassen kannst. Aber ich mache mir Sorgen um dich. Und ich glaube, du solltest mit jemandem darüber reden. Mit einem Profi.“
„Raus“, knurrte sie.

Das Wasserglas zerschellte an der Wand neben mir. Ich zuckte zusammen, bewegte mich aber nicht. Dem Ton nach hatte ich Wut erwartet oder sogar Hass. Stattdessen saß dort eine verstörte junge Frau, die sich verletzt fühlte. Verraten in einem Augenblick, in dem sie einen Freund gebraucht hätte. Und ich Dummkopf hielt es für Scham und Selbstbetrug. Dabei war es alles, nur nicht das.

„Ich habe mit Teer gesprochen. Er hat mir versichert, dass er mit niemandem vom Institut darüber reden würde. Absolutes Stillschweigen, damit niemand dich verurteilen könnte. Aber ich glaube du musst dir diese Last von der Seele reden, bei jemandem, der etwas davon versteht.“

Elisabeth begann zu zittern. Als ich näher kam, ballte sie die Fäuste, schien bereit, mich für meinen Vorschlag zu schlagen. Ich legte ihr die Karte von Dr. Teers privater Praxis auf den Nachtschrank, wo kurz zuvor noch das Glas gestanden hatte, das jetzt hinter mir in der Wand steckte.

„Red mit ihm“, sagte ich kalt zu ihr. „Red mit ihm, wenn du nicht früher oder später mit Selin oder Winterstein über dein Benehmen reden willst. Sonst werd ich es tun. Du weißt, dass ich dich mag. Aber ich kann mir das nicht mit ansehen.“

Ich ging nur langsam aus dem Zimmer. Vielleicht hoffte ich, dass sie noch etwas sagen würde. Dass sie noch einmal nach mir werfen würde, mich herausfordern, eine bessere Idee haben würde. Aber sie schwieg.

Als ich ihre Tür hinter mir schloss, fiel mir eine Last von den Schultern. Es war, als hätte sich ein Nebel um mich her gelockert und ich war recht zufrieden mit mir. Warum auch nicht? Ich hatte etwas getan. Selbst, wenn ich nur eine Freundin zwingen würde, einen Therapeuten aufzusuchen – ich hatte etwas getan.


Die vier Tage bis zum nächsten Montag sperrte sie sich in ihrem Zimmer ein. Sie reagierte nicht auf meine Versuche, mit ihr zu reden oder ihr essen zu bringen. Ich weiß nicht, ob sie sich in dieser Zeit ernährte, aber ich versuchte immerhin, dann und wann das Haus zu verlassen. Auch, wenn es keine Vorlesungen für mich gab, musste ich ab und an hinaus an die frische Luft. Irgendetwas ertragen.

Marie kam wie von ihr angedroht am Freitag vorbei. Auch sie wurde von Elisabeth abgewiesen, aber immerhin nicht wortlos, so wie ich: Wir hörten ein weiteres Glas an der Zimmertür zerschellen und Elisabeth sie unverständlich verfluchen.

Danach herrschte wieder Stille, von der leisen Musik hinter der Tür abgesehen. Ich kann sie nicht recht beschreiben. Erstens habe ich nie ein musikalisches Gehör gehabt und zweitens glaube ich, dass sie sich gar nicht beschreiben lässt. Es war eine irre, waghalsige Geige – ich glaube, dass es eine Geige war – die mühelos von einer Ewigkeit zur nächsten sprang.

Am Montag stand ich ein letztes Mal vor ihrer Türe, bereits angezogen, mit meiner Tasche über die Schulter geworfen. Ich klopfte, rief: „Elisabeth? Ich habe ein Gespräch mit Selin, wegen meines Jobs. Sie wird Fragen stellen. Wegen dir.“

Eine Zeit lang geschah gar nichts. Ich wollte bereits aufgeben, da öffnete sie mir zu meiner Überraschung. Elisabeth sah zerzaust aus, als hätte sie wenig bis kaum geschlafen, und abgemagert. Die Ringe unter ihren Augen hatten eine tief violette Farbe angenommen. Sie starrte mich finster an.

„Sag ihr, dass alles in Ordnung ist.“

Sie klang heiser, wund geschrien.

„Du redest mit Doktor Teer?“, fragte ich.

Ihre Kiefer mahlten, dann nickte sie widerwillig.

„Ich werde ihn nachher anrufen. Sag Selin, dass ich nur krank war, zu viel gefeiert und gearbeitet. Mir geht es gut. Ich bin…“ Sie wischte sich mit einer Hand Schweiß aus der Stirn. „Mir geht es gut.“

„Wenn du nicht…“

„Ich rufe ihn an.“

Ihr Blick brachte mich zum schweigen. Ich nickte, umarmte sie kurz. Das war alles, was ich hören wollte.

Es war, als war in diesem Moment ein Schalter in ihr umgelegt worden.Oder als wäre eine Maske wieder gerade gerückt worden, die in den letzten Wochen verrutscht war.

Elisabeth suchte den Psychiater auf, erzählte mir aber nicht, was während ihrer Sitzungen geschah. Ich glaube, sie wollte sich selbst gar nicht daran erinnern. Vielleicht weil sie Angst hatte, damit ihre verdrängten Probleme wieder hervor zu holen.

Aber sie sprach wieder mit mir und ging zur Arbeit. Und das war alles, was damals für mich zählte. Ich hatte eine Freundin zurück gewonnen, der es augenscheinlich besser ging. Alles war perfekt. Alles war genau so, wie es anfangs gewesen war.

Ich war ein mustergültiger Student: Selin gab mir sogar meine Stelle zurück, von der sie mich beurlaubt hatte.

„Elisabeth ist weiterhin am Institut“, kommentierte sie die Angelegenheit etwas abweisend, „und Winterstein hat sie in ihrem Examen bestätigt. Sie haben sich nützlich gemacht, Gärtner. Weiter so.“

Ich bemerkte, dass Elisabeth vielleicht etwas mehr als früher trank. Auf den Treffen in unserer Wohnung begann sie, etwas mehr als zuvor zu trinken, und sie bestand öfter als zuvor auf diese Zirkel – auch außerhalb der Reihe, auch außerhalb unserer eigentlichen sozialen Kreise. Auch ganz ohne mich. Ein paar Mal kehrte ich in den nachfolgenden Monaten von der Arbeit nach Hause zurück und fand, dass unser Salon mit Fremden besetzt war. Nicht mit fremden Studenten, mit mir unbekannten Erstsemestern oder dergleichen. Sondern mit Fremden, die Marie und Elisabeth wohl kannten, die ich aber noch nie gesehen hatte. Ich unterhielt mich mit einigen von denen und sie fielen gänzlich aus unserem gewöhnlichen Bekanntenkreis heraus – die Gespräche drehten sich um finstere, makabere und schlichtweg alberne Dinge. Um die Blüten, die der späte Borellus getrieben hatte, um gewisse Briefe von Joseph Curwen aus dem berüchtigten Salem und um Gruselgeschichten um einige medizinische Kuriositäten wie den versteinerten Knaben, der in irgendeinem Bunkerarchiv des Charoninstituts liegen sollte.

Wenn ich auch zugeben muss, dass neuer Umgang wohl nichts schlechtes sein konnte. Ich freute mich, dass Elisabeth nicht länger nur am Institut lebte, sondern langsam so etwas wie ein Sozialleben zurück gewann. Aber sie tranken viel und rauchten noch mehr. Ich habe nichts gegen Drogen, ich bitte das nicht fehlzuinterpretieren. Nur haben sie eine Funktion und sind kein Selbstzweck. Sie dienen der Stimmungsaufhellung, der Leistungssteigerung, der größeren Intimität mit der Psyche anderer, vor allem des Geschlechtspartners.

Was mich bei diesen Leuten anwiderte, war ihre scheinbare Abhängigkeit davon. Ohne brachten Sie kaum ein Wort heraus, geschweige denn eine produktive Minute zustande.

Ich überlegte, ob ich Marie damit konfrontieren sollte, entschied mich aber dagegen. Sie gehörte zu dieser Truppe, tatsächlich war ich mir fast sicher, dass sie die heimliche Anführerin war und Elisabeth zu diesem letztendlich harmlosen Umgang getrieben hatte.

Wir beide hatten letztlich das selbe Ziel gehabt: Elisabeth beizustehen. Selbst, wenn ich mit ihren Mitteln nicht einverstanden war, so konnte ich das zumindest respektieren. Und im Gegensatz zu mir… Im Gegensatz zu mir schob Marie sie nicht einfach zu einem Quacksalber und Teufel weiter. Sie machte Elisabeth nicht einfach zu jemand anderes Problem, sondern kümmerte sich um sie.

Ich kann meinen Fehler nicht ungeschehen machen. Aber ich kann mich für sie rächen.

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Es erforderte sogar weniger Überredungskunst, als ich befürchtet hatte. Ich stellte ihn am Wochenende zur Rede. Ich wusste, dass er daheim war, auch wenn er die Tür nicht öffnete – ich hörte ihn in seinem Zimmer auf und ab gehen. Ich hörte eine Musik, die ich nie zuvor gehört hatte, aus seinem Zimmer. Die ich nicht einordnen konnte. Die verrückt war. [Hier Erich Zann einfügen]

Ich klopfte. Mehrfach, energisch, und ich glaube auch über sein plötzliches Schweigen hinweg. Auch über die plötzliche, versteckende Stille hinweg – als ob er so tun könne, als sei er nicht da!

Ich hämmerte an seine Türe, bis er mich einließ. Ich offenbahrte ihm ohne Umschweife meinen Plan: Dass er mit jemandem reden müsse, ohne Angst um seine Karriere zu haben. Jemandem, dem er sich öffnen könne.. Er könne das nicht alles in sich hinein fressen.

He yelled, he threw books at me. Einmal versuchte er, mich gewaltsam aus seinem Zimmer zu befördern, aber es misslang. Ich krallte mich in den Türrahmen, warf ihn zu Boden. Am Ende lagen Teile des Zimmers in Trümmern und im Flur verteilt, aber ich war standhaft geblieben.

Alexander lenkte ein, wenn auch wohl nur, damit ich ihn endlich in Ruhe ließ.

Es war noch ein Kampf, ihn das erste Mal wirklich zur Sprechstunde zu bewegen. Er fand für einige Zeit noch Ausreden, weshalb dieser oder jener Tag nicht ginge, dass er zu viel zu tun hätte, dass er sich keine Zeit nehmen könne. Also machte ich Termine für ihn aus, unter seinem Namen, über seine E-Mail Adresse, als er seinen Laptop einmal in der Küche vergaß.

Als die Sprechstunden erst einmal in seinem Terminkalender standen und ich ihn zwang, mir gegenüber Rechenschaft abzulegen, ging er.

Die nächsten Male ging er ganz von selbst.

And I was mighty pleased with myself. And why not? I had done something. Even if it was just force a friend to go somewhere he didn‘t want to go.

At first everything was perfect. Right where it used to be when I first started studying: I was good. I connected, not just to Alexander but all on my own, too. Mit Marie, mit dem Institut. Und ich wusste

ie hatte mich gewarnt, von ihr wäre also nur Schelte und Gegendwind zu erwarten, keine Hilfe.

Marie erzählte ich nichts davon. Sicherlich vermutete sie, ich hatte etwas getan, aber sie stellte mich nie zur Rede und ich zog es vor, mit ihr nicht auf Konfrontation zu gehen.

And I was mighty pleased with myself that I had done something, even if all I did was shuffle him over to be someone elses problem.

I could live with the idea that all he did was on order of a professional. On your orders, Dr. Teer. And I will hate myself for the rest of my life.

But that is, after all, why you‘re here. Weil ich mich nicht an Ihnen schadlos halten kann, aber ich kann mich an meinen Fehlern rächen.