Seit einer halben Stunde wartete er im Durchgang, der vom Hinterhof zur Straße führte. Es war der einzige Weg aus der Wohnung, aber die Geduld drohte ihm mit jeder Minute mehr zu zerreißen. Zur Beschäftigung hätte er rauchen wollen, aber er fürchtete, sich mit der Glut zu verraten.

Licht gab es in dieser Stadt nur am Horizont, die verschwendete Abstrahlung von Scheinwerfern, Werbetafeln und Rund-um-die-Uhr-Einkaufzentren. Wie eine Dunstglocke hielten sie die Dunkelheit und den Smog am Boden. Es war derart finster im Gang, dass er sich wie ein Tunnel anfühlte.

Benjamin fühlte sich geborgen, wenn schon nicht beschützt. Kurz vor Sonnenaufgang hatte er sich in dieses Mauseloch verkrochen, das sich durch die dicken Wände der Mietskaserne fraß. Seitdem wartete er auf die Katze.

Er schlug die Hände vor seinem Mund zusammen. Sein Atem kristallisierte, fraß sich durch den Wollstoff seiner Handschuhe.

Aber er würde nicht gehen. Nicht, bis er seine Neugier befriedigt hatte.

Bald würde es so weit sein. Der Doktor war ein überaus präziser Mensch, der seinen ganzen Alltag exakt nach dem Stand der Sonne ausrichtete. In den letzten Monaten hatte Ben ihn auch nicht eine einzige Nacht von dieser Routine abweichen gesehen: Eine Stunde. Immer eine Stunde nach Untergang der Sonne schlich sich der Doktor aus der Mansardenwohnung, um zu seiner Praxis zu gehen, in der er erwartete, heute Benjamin zu treffen.

Und wirklich dauerte es nur noch eine weitere halbe Stunde, die Ben geduldig auskühlte, bis er eine Bewegung am hinteren Ende des Hofes wahrnahm.

Eine Tür öffnete sich und obwohl er in der Dunkelheit des sogenannten Lichthofes nicht viel mehr als knochige Fensterrahmen und blinzelnde Scheiben sehen konnte, blieb ihm das Herz stehen. Er kannte diesen Gang, er hatte ihn zu lange beobachtet, um ihn jetzt nicht zu erkennen.

Der Doktor zögerte einen Augenblick vor dem Durchgang. Er hatte ihn nicht gesehen, dessen war Benjamin gewiss. Zu still hatte er sich in die Nische gedrückt, um seinen Plan im entscheidenden Augenblick durch eine Unachtsamkeit seines Körpers gefährden.

Aber ein ansonsten stummer Instinkt schrie dem Doktor vom Mauseloch entgegen, er solle fliehen. Irgendetwas spürte er, denn er war außerordentlich auf die feinen Regungen von Instinkten abgestimmt – seine und die von anderen. Wie eine Katze starrte der Doktor in die Dunkelheit, in der sich nichts rührte.

Schließlich setzte sich der Doktor in Bewegung. Es war der einzige Weg hinaus und er hatte zu viel zu tun, um sich vor der Dunkelheit zu fürchten. Und obwohl er sich in ihr wie in einer Zuflucht bewegte, meinte Ben, ein Zögern in seinem Schritt zu erkennen. Nur ein kleiner Moment verging zwischen jedem Schritt und jeder Bewegung, die der Doktor sonst so energisch und zielstrebig verrichtete.

Ben dagegen…

Als der Doktor gerade auf seiner Höhe war, sprang Ben aus seiner Nische hervor. Der Aufprall brachte den Doktor aus dem Gleichgewicht, aber nicht zu Fall. Ben duckte sich unter der geschleuderten Aktentasche hinweg und stürzte sich erneut auf ihn. Ein Schlag seiner geballten Faust, ein Tritt. Sie beide gingen zu Boden, Hut und Aktentasche wurden von der Dunkelheit verschluckt.

Der Angreifer hockte auf der Brust des Doktors, dessen Augen er nur als kleine Knöpfe auf einem aschfahlen Gesicht ausmachen konnte. Er setzte ihm auf die Oberarme, dass es knirschte, bohrte ihm die Finger um das weiche Fleisch rund um Kiefer und Wange. Rabiat zerrte er am Schädel des Doktors, presste ihn zur Seite auf das nasse Kopfsteinpflaster – und rammte ihm die Spritze in die Arteria Carotis und drückte ihm die einhundert Milliliter der silbrigen Flüssigkeit in die Adern.

Der Doktor begann zu zucken, versuchte nach Ben zu schnappen, ihn zu treten. Aber es war zu spät. Die Injektion verrichtete bereits ihr Werk. Ben presste beide Hände auf Mund und Kehle seines Opfers, um jeden Laut zu ersticken. Die Gegenwehr erlahmte rasch, sobald die Droge den Herzmuskel erreicht und ihn gelähmt hatte.

Ben starrte hinunter in kalte, blicklose Knopfaugen.

Wie aufgenäht, dachte er. Wie aufgenäht auf eine Porzellanpuppe. Er fühlte nach dem Puls, bemerkte nichts durch die Handschuhe; beugte sich vor, brachte das Ohr über die Brust des Körpers vor ihm.

Atmete er noch?

Ben lauschte angestrengt, aber über den Jubel seines Herzens hinweg konnte er nichts hören. Selbst, wenn sein Herz nicht gerast hätte, hätte er kaum etwas gehört, dachte er. Natürlich nicht.

Ächzend kam er auf die Knie und zerrte seine Umhängetasche vor seinen Bauch. Die Spritze verschwand wieder in ihrem Etui.

Nichts durfte zurück bleiben.

Ben richtete sich auf, horchte. Stille im Mauseloch wie im Lichthof und auf der Straße. Sein schlagendes Herz schien von den Wänden wieder zu hallen wie die Schritte seiner Stiefel. Er setzte sich den Hut des Doktors auf, warf sich seine Aktentasche um die Schulter und zerrte den Doktor hinaus auf die Straße. Mit jedem Klappern der Schnallen an der Aktentasche fürchtete er, die Sirenen der Polizei zu hören.

Aber niemand kam. Niemand beachtete ihn und seine Fracht.

Direkt am Eingang zum Tunnel hatte er einen Leihwagen geparkt, einen weißen Kombi mit einer fröhlich winkenden Robbe auf der Seite. Der Doktor landete im Kofferraum, Hut und Aktentasche auf dem Beifahrersitz.

Ein letztes Mal richtete Ben sich auf, sah die Fassaden der Allee hinunter. Hinter einigen Fenstern brannte Licht, aber an keinem davon sah er jemanden. Irgendwo meldete sich eine Krähe.

Ben wertete es als gutes Zeichen und belohnte sich endlich mit einer Zigarette, ehe er in den Wagen stieg.

****

Das Kinderkrankenhaus in Weißensee war eine Ruine. Seit das Charoninstitut sich die meisten Krankenhäuser und medizinischen Fakultäten der Stadt einverleibt und unter eine lehrmedizinische Führung gestellt hatte, fanden dort weder Medizin noch Lehre statt. Nominell gehörte das Gebäude an der Hansestraße noch zum Institut, nur wurde es nicht länger genutzt. Ein Investor hatte vor Jahren versucht, es zu kaufen und eine private Klinik zu errichten, befand sich seitdem aber im Rechtsstreit mit den labyrinthischen Verwaltungsstrukturen der Stadt. Mit jedem Einspruch und jeder Inspektion war das Anwesen mehr zu einer Festung geworden: Bretter verbarrikadierten die meisten Fenster und dicke Ketten sicherten das Eingangsportal gegen Landstreicher.

Glücklicherweise besaß Ben die Schlüssel dazu und kam ohne Probleme hinein.

Im dritten Stock lag das Herz der verlassenen Festung, die früher einmal ein Lehr- und Kinderkrankenhaus gewesen war:

Wie im antiken Theater zogen sich vom Eingang her halbkreisförmig die Sitzbänke nach unten. Reihe um leere Reihe schritt Benjamin dort hinunter, hinter sich den leblosen Körper von Doktor Teer schleifend. Unten wartete eine Bühne auf ihn, auf der er seinen Schauprozess halten würde. Er hievte den Bewusstlosen auf den Tisch, der dort in der Mitte stand, und hielt einen Augenblick inne. Der Doktor war schwerer gewesen, als er gedacht hätte. Mehr als einmal wäre er in der Finsternis beinahe gestürzt.

Wo einst eine breite Fensterwand das Tageslicht hinein gelassen hatte, grinste ihm die Nacht entgegen. Wie Stummel ragten Glasscherben in die Dunkelheit und hier und dort waren die Fenster ganz ausgeschlagen und mit Pressspanplatten verplombt worden. Selbst ohne dieses Hindernis hätte Ben nicht weiter als einen halben Meter sehen können, bis zu dem Herbstwald, der sich vom Park her langsam dem Gebäude näherte.

Die Szene war adäquat. Nicht gerade malerisch oder poetisch, aber er hatte ohnehin wenig Sinn dafür. Der entscheidende Punkt war der Seziertisch inmitten des anatomischen Theaters, an den er Doktor Teer nun fesselte. Die Fesseln waren zwar gepolstert, aber in den Jahren der Vernachlässigung hatten sie sich mit Wasser und Fäulnis vollgesogen. Das organische Material war verrottet, so dass nur mehr Ketten übrig geblieben waren, mit denen die jüngeren und widerstrebenderen Patienten gefesselt worden waren.

Mit einem kräftigen Rütteln überzeugte Ben sich, dass sein Patient – sein Angeklagter, ermahnte er sich, denn der Mann war unheilbar – fixiert war und nicht befreien konnte.

Dann begann er mit den weiteren Vorbereitungen. Auf einem bereit stehenden Tischchen breitete er sein Instrumentarium aus, seine Tiegelchen und Fläschchen, seine Pülverchen, Messerchen, Sägen, Nägel und Schläuche. Einen nach dem anderen begann er, sie zu desinfizieren, zu polieren und zu ordnen. Es war eine zwecklose Arbeit, der Raum war derartig verdreckt, dass eine sterile Umgebung unter keinen Umständen herzustellen war. Aber es war ein Ritual, das Ben durchaus für notwendig hielt. Es beruhigte seine Nerven, seine Hände, gab ihm durch die altgewohnten Bewegungen etwas Sicherheit.

Im dünnen Schein einer elektrischen Kerze verbrachte er so einige Zeit, bis er hinter sich ein leises Klirren hörte. Hinter ihm kämpfte sich der Doktor langsam wieder in die Dämmerung seines Bewusstseins kämpfte. Es begann mit einem leichten Zittern der Finger, dann der Hände, das aber erlahmte, sobald sein Fleisch die Fesseln spürte. Dann flatterten ihm die Augenlider und ein Stöhnen entflog seiner Kehle.

Ben schaltete das Licht an seiner Hüfte aus und trat vom Doktor zurück. Er hatte immer noch nicht sagen können, ob der Mann nun atmete oder nicht. Aber er lebte, scheinbar.

Leise zog Ben sich auf einen Platz in der ersten Reihe zurück, kurz vor der Bühne. Dies war ein kritischer Moment, die erste Konfrontation des Patienten mit der Krankheit.

Der Doktor schlug die Augen auf, starrte für endlose Minuten an die Decke. Eine andere Wahl hatte er auch nicht, Ben hatte seinen Kopf ebenso wie seine Glieder fixiert. Nur die Decke mit den durchgerotteten Paneelen und den offen liegenden Heizungsrohren präsentierte sich ihm. Sie und die Gedanken des Doktors. Ein Abgrund öffnete sich vor ihm, in den selbst er nicht zu blicken wagte. Seltsamerweise wehrte er sich nicht gegen seine Fesseln. Er lag nur dort und sah an die Decke und war ein Gefangener seiner eigenen Gedanken.

„Ich weiß, dass sie noch da sind“, sagte er schließlich. Sie stehen hinter mir. Zehn Schritt. Sie atmen schwer, wie einer, der erregt ist oder sich angestrengt hat.“

Ben zog die Augenbrauen zusammen. Er legte eine Hand auf seine Halsschlagader, zählte nach. Sein Puls raste, etwas über der Schwelle zur Agitation. Er hielt die Luft an, zwang seinen Atem, sich zu normalisieren – und gab dem Doktor etwas Zeit, in der Unsicherheit zu schwimmen.

Das hier war nicht der exakte Raum, in dem alles begonnen hatte, aber er war ihm ähnlich genug. Ein Theater wie der andere und das hier war sein Stück, sein Einakter, den er für sich selbst spielen musste. Er schob seine Frustration beiseite. Fast war es getan. Fast.


„Doktor Teer!“, rief Ben von seinem Platz aus. „Wie schön, du bist wach. Das freut mich. Ich hatte Angst, dir zu viel gespritzt zu haben und du würdest alles verschlafen.“

Stille. Ben rollte mit den Schultern, dass die Knochen knackten. Was folgen würde wäre ein Spiel der Geduld ebenso wie der Argumente.

„Sind Sie das Herr Gärtner?“, fragte der Doktor schließlich.

Ben verzog das Gesicht. Der Mann war nicht leicht aus der Ruhe zu bringen.

„Du hast ein gutes Gedächtnis“, sagte er.

Teer lächelte, seine Stimme war warm, freundlich, als wären sie beide sich in einem Café zufällig begegnet. Als wäre der Doktor nicht auf einen Seziertisch in einem verrottendem Krankenhaus gefesselt.

„Ich erinnere mich an alle meine Patienten“, sagte er mit besonderem Stolz in der Stimme. „Ich habe Sie in den letzten Wochen bei mir vermisst. Sie wissen, wie wichtig regelmäßige Gespräche für die mentale Hygiene sind.“

„Ausnahmslos an alle? Auch die, die du getötet hast?“

Das Spiel begann. Ben sprang von seinem Platz auf, ging langsam auf und ab. Er musste ruhig bleiben, ganz klar die Fakten betrachten. Der Doktor wirkte kalt auf seinem Tisch. Im Mondlicht war er blass wie eine Leiche.

„Ich glaube ich würde mich daran erinnern, wenn ich jemanden getötet hätte, das ist ein einschneidendes Erlebnis“, sagte der Doktor vorsichtig. „Eines, das man nicht ungeschehen machen kann.“

„Nein, ich denke das kann man nicht. Nicht wirklich, manche Narben bleiben. Aber ich denke, es wird einfacher, sie zu vergessen. Ein wenig wie mit Operationen. Die erste verletzt und verwundet noch einen echten Menschen, die hundertste zerlegt nur noch Fleisch mit Gesicht.“

Ben sprang von seinem Platz herunter. Geduckt ging er halb um den Seziertisch herum, startete den Dieselgenerator. Mit einem Knurren erwachten die Scheinwerfer zum Leben. Sechzigtausend Lux strahlten auf den Doktor herunter, der sich unter der plötzlichen Helligkeit wand. Er kniff die Augen fest zusammen. Hätte er seine Hände bewegen können, er hätte sie wohl über die Augen gelegt. So versuchte er nur den Kopf zur Seite zu drehen, ohne viel dabei zu erreichen.

„Ich verstehe nicht, Herr Gärtner. Das sind nicht Sie, ich kenne Sie doch. Sie sind kein Mörder. Weshalb tun Sie das?“

Die Ruhe des Doktors begann, Ben auf die Nerven zu fallen. Er zog sein Tischchen mit dem Operationsbesteck näher zum Doktor heran, nur knapp außerhalb seines Gesichtsfeldes, und beendete seine Vorbereitungen so geräuschvoll wie möglich.

„Du hast recht“, sagte Ben. Es fühlte sich seltsam für ihn an, diese offensichtlichen Dinge sagen zu müssen. Aber sie waren wichtig, damit er seinen Weg nicht verlor. „Ich bin kein Mörder, sondern ein Mann der Wissenschaft, aber du kennst mich nicht. Was genau der Grund ist, aus dem ich das hier tue: Ich muss beweisen, klar und unumstößlich beweisen, dass ich nicht einer wahnsinnigen Idee aufgesessen bin. Ich werde also einige Tests an dir durchführen. Keine Sorge, es wird nicht weh tun, jedenfalls nicht allzu sehr. Und dann… warten wir gemeinsam auf den Sonnenaufgang.“

„Ben, hören Sie, ich verstehe Sie, wirklich, aber ich kann Ihnen nur helfen, wenn Sie mich lassen.“

Ben lächelte. Endlich eine Reaktion, eine Spur von Menschlichkeit. Es gab so etwas in der Stimme des Doktors. So etwas wie Angst. Keine wirkliche, echte Emotion. Aber eine passable Nachahmung davon, mit hoher Tonlage und panischer Geschwindigkeit.

„Ich bin nicht ihr Feind!“

Ben verharrte einen Augenblick. Mit einem Knallen schnappte das Latex der bereitliegenden Handschuhe um sein Handgelenk und er nickte.

„Nein, bist du nicht. Nicht meiner im Speziellen, glaube ich jedenfalls. Aber es gibt einige Dinge, die ich nicht verstehe, die mich in den Irrsinn treiben. Nehmen wir die Substanz, die ich dir vor, oh etwa neunzig Minuten, gespritzt habe. Eine gewöhnliche Dosis setzt einen Patienten für einige Stunden außer Gefecht, mit einigen Schwankungen je nach Alter, Geschlecht und Masse. Die Menge, die ich dir verabreicht habe, hätte für ein Pferd gereicht.“

„Weil sie kein Mörder sind, Ben. Deswegen haben sie gerade genug genommen, um mich zu betäuben, nicht aber zu töten. Sie sind kein Mörder, Ben, sie sind nur verwirrt.“

„Ich wünschte, du hättest Recht. Tatsächlich hast du mich fast davon überzeugt gehabt. Dass ich verrückt bin, meine ich. Unter uns wäre das ein Ergebnis der heutigen Nacht, das ich dem anderen vorziehen würde.“

„Und was ist das andere Ergebnis?“, fragte Doktor Teer. Seine Stimme zitterte. Die Angst darin war real, so real wie sie für ihn wohl sein konnte, dachte Ben, auch wenn es nicht seine eigene war.

„Dass sie ein Vampir sind.“

Das Wort schwebte einen Augenblick lang zwischen ihnen. Keiner sagte etwas, horchte nur auf den Klang dieses unsinnigen Vorwurfs. Dann seufzte Ben.

„Gott, das fühlt sich gut an, das zu sagen. Das Wort, meine ich. Weißt du… Ich… Es ist verrückt, das weiß ich. Aber das ändert nicht mehr viel. Ich habe darüber geredet, über diese Möglichkeit. Nie auf diese Art, nie so offensichtlich. Schließlich hält man manche Dinge doch besser geheim und diese…nennen wir es Vermutung ist sicherlich eine davon. Was hätte ich auch sagen sollen? ‚Hilfe, mein Psychiater ist ein Vampir‘? Man würde mich einweisen und in Therapie stecken und das vielleicht nicht ganz zu Unrecht und am Ende treffe ich dort auf einen Irrenarzt wie dich. Es frisst sich einem in die Seele, dieser schreckliche Verdacht. Wie sollte er auch nicht? Danach ist kaum ein gewöhnliches Leben möglich.

Aber ich muss ihn doch testen, um diesen Zweifel auszuräumen. Du verstehst das sicherlich.“

„Benjamin“, sagte Doktor Teer und redete plötzlich ganz schnell. „Benjamin, bitte hören Sie mir zu. Ich fürchte, Sie befinden in einer Ihrer Phasen aufgewacht, einer psychotischen Episode. Das sind nicht Sie, das ist irgendein tiefer Hass, der sie benutzt. Lassen Sie mich Ihnen helfen, Benjamin. Sie jagen Gespenster.“

„Keine Gespenster“, sagte Ben.

Er legte seinem Patienten eine Hand auf die Stirn. Durch das dicke Latex der Handschuhe fühlte sich sein Schädel unwirklich an. Nicht menschlich.

„Nur dich.“