Sie erinnerte sich nicht an den Weg, nur an das Ziel. Die Wohnung des toten Schriftstellers war der einzige Fixpunkt für sie in dieser Stadt. Der eine Punkt in ihrer geistigen Karte, der den Nebel der restlichen Stadt überstrahlte.

Sie fand dorthin wie eine Motte zum Licht. Nur überfiel sie bei ihrem Anblick im Gegensatz zur Motte eine gewisse Furcht vor dem Feuer.

Die Wohnung lag im dritten Stock und sie hatte keinen Schlüssel bei sich. Wenn sie je einen besessen hatte. Nicht einmal dessen war sie sicher. Nur, dass sie dort ein und ausgegangen war. Der Vordereingang blieb ihr verschlossen, egal wie kräftig sie daran rüttelte.

Sie sah sich kurz um, ob ihr jemand gefolgt war, dann umkreiste sie das Gebäude zur Rückseite und kletterte über die Mauer zum Hof. Von dort her war das Treppenhaus ohne Probleme zu erreichen, die Tür öffnete sich bereitwillig. Lydia legte den Kopf in den Nacken und sah das Treppenhaus hinauf.

Seltsam, dachte sie. Sie erinnerte sich an die Wohnung, aber nicht an den Ausblick oder die Nachbarn. Nur die Wohnung selbst mit den schweren Eichenmöbeln und der großen Bibliothek, mit dem angeberischen Sekretär mit lederüberzogener Schreibfläche darin. Und an Karl Rosenblatt, der ihr Mörder sein sollte. Aber das Treppenhaus war wie der restliche Weg, wie die Straße vor der Tür, ein Nichts. Ein Nebel, durch den sie von Ort zu Ort sprang.

Sie schüttelte den Gedanken ab und erklomm die knarzenden Treppen. Auf dem zweiten Absatz begegnete ihr eine ältere Frau, etwa um die fünfzig, mit einer grauen Stirnlocke und einem konsternierten Gang. Die Frau und sie begrüßten sich im gleichen Augenblick, mit dem gleichen desinteressierten Automatismus, ohne je den Blick zu heben.

Aber zwei Stufen hinter ihr drehte sich die Frau noch einmal um. Ihre Augen weiteten sich, ihr Blick bohrte sich ihr in den Rücken. Eine Nachbarin, vielleicht, die sie erkannt hatte. Mit eiligen Schritten stolperte die Frau die Treppen hinab und stürzte aschfahl zur Tür hinaus, als hätte sie einen Geist gesehen.

Sie sah der älteren Frau nach, dann zuckte sie mit den Schultern. Gleich viel, sie würde nicht lange bleiben.

Absperrband versiegelte die Wohnungstür. Eine Plombe am Schloss verhinderte keinen Eintritt, würde aber jede Benutzung anzeigen. Das Siegel zeigte ihr den sechsundzwanzigsten Januar als Tag der Versiegelung an. Heute war also irgendwann im Februar, dachte sie. Karl hatte sich letzte Woche selbst getötet.

Sie zögerte, ihre Fingerspitzen nur Zentimeter von der Türklinke entfernt. Streng genommen hatte sie bislang nichts verbrochen. Sie war tot gewesen und war es jetzt nicht länger. Das war ungewöhnlich, skandalös geradezu, aber nicht verboten. Wahrscheinlich. Der Tod Doktor Heinrichs war ein Unfall gewesen, ihre Flucht aus Polizeigewahrsam eine völlig menschliche Reaktion auf eine außergewöhnliche Situation. Zudem war sie sich einigermaßen sicher, dass Selbstbefreiung dem natürlichen Drang des Menschen zur Freiheit entsprach und derart nicht unter Strafe stand. Nicht einmal in einer Stadt wie dieser.

Am Ende drückte sie die Klinke hinunter und brach ein, indem sie den Ausweis von Doktor Heinrich benützte. Es war zu einfach, tatsächlich. Wahrscheinlich hätte sie sogar die Tür einfach von außen aus den Angeln heben können.

Sie trat in die Diele und fühlte unmittelbar diesen Hunger. Diese Leere im Kopf. Ein Geruch hing in der Luft, der ihr das Denken unmöglich machte. Er ließ ihren Magen knurren vor Verlangen. Es roch süßlich in der Wohnung, vergleichbar mit Rosen und Staub.

Myroblysia“, schoss es ihr durch den Kopf. Der Geruch, den Heilige im Augenblick ihres Todes verströmten.

Sie folgte dem Geruch. Durch den Flur, durch die Stube zum Eckzimmer hin. An der Tür zögerte sie erneut. Es war das Arbeitszimmer, das wusste sie. Sie hatte hier nie hinein gedurft, auch wenn sie das selten geschert hatte. Aber ein Rest von diesem Verbot lag noch über ihr. Sie ging hinein und würgte unmittelbar. Erneut.

Der Geruch war Blut. Eine unglaubliche Menge davon, verschmiert und verschüttet auf dem riesigen Sekretär wie ein groteskes Blumenbeet. Karls Blut, wahrscheinlich. Der Nachrichtenreport hatte von einem Selbstmord gesprochen, aber nicht von der gewählten Methode. Er musste sich die Adern aufgeschlitzt haben, während er an dem Schreibtisch saß, an dem er die meisten seiner sogenannten Meisterwerke geschrieben hatte.

Er hatte das Teil immer vergöttert, erinnerte sie sich. Hatte es sein ganzes Leben mit sich geschleift, selbst durch Armut. Wie ein ziemlich kitschiges Symbol seiner Berufung.

Und jetzt war es kaum mehr als eine Erinnerung an seinen schlechten Geschmack.

Lydia schüttelte erneut den Kopf, versuchte, den Gedanken daraus zu vertreiben. Sie brauchte Antworten. Sie verlangte Antworten, auch von einem Toten. Zumindest auf die offensichtlicheren Dinge.
Sie ging durch die Wohnung, ziellos nach Anhaltspunkten suchend. Die meisten Schränke waren von der Polizei geöffnet worden, Kleidung achtlos verteilt, Unterlagen und Andenken hervor gezerrt und mit genommen worden. Keine bloße Routineuntersuchung, dachte sie.

Einige Bilder hatten sie zurück gelassen. Menschen, die sie nicht kannte, auf einem Bord im Wohnzimmer, eingerahmt wie eine Familie. Ein Mann, der Karl Rosenblatt sein mochte. Und dann ein Bild mit ihr und demselben Mann, Arm in Arm. Sie lachten vor einem sommerlichen See, wirkten verliebt. Lydia erinnerte sich an diesen Tag. Karl hatte sie ausgeführt, auf eine kleine Rundfahrt raus aufs Land, um der städtischen Hitze zu entkommen. Er hatte ihr die Wälder und Sümpfe gezeigt, in denen er als Kind oft getollt war. In denen die meisten seiner Krimis und Gruselgeschichten spielten. Sie erinnerte sich genau an diesen Augenblick, kurz nach ihrem ersten Kuss. Aber sie fühlte nichts, als sie ihn auf Papier gebannt sah.

Sie runzelte die Stirn, stellte das Bild zurück an seinen Platz. All das hier war wertlos. Es sagte ihr nichts, was sie nicht schon wusste: Rosenblatt war tot. Sie war seine Geliebte gewesen, deren Mord ihm vorgeworfen wurde.

Wieso er sie getötet haben sollte aber und woher dieser Hunger kam und wieso es nicht dabei geblieben war, das waren die wirklich interessanten Fragen für sie. Nicht die Erinnerungen an irgendeine tote Beziehung.

Ihre Suche führte sie ins Schlafzimmer, wo sie ein Gefühl von Furcht überfiel. Es war genau so durcheinander wie der Rest der Wohnung, alles unordentlich und durcheinander geworfen. Bis auf das Bett. Das große Doppelbett, in dem man ihre Leiche gefunden hatte. Es war frisch gemacht, mit weichen Kissen und lud zum Schlafen ein. Sie floh rasch wieder vor dem Anblick.

Zurück im Schreibzimmer erschlug sie der Geruch von Myrrhe, Rosen und Eisen. Von Blut. Eine mögliche Antwort drängte sich ihr auf. Sie schob sie beiseite. So verzweifelt, so verrückt war sie noch nicht.

Vorsichtig umrundete Sie den Schreibtisch und die Blutlache. Der Gestank war überwältigend. Und trotzdem ließ er ihr das Wasser im Mund zusammen laufen. Als ob nur der Geruch endlich ihren Hunger stillen könnte.

Die Schließfächer des Sekretärs waren leer. Die Polizei musste alles mitgenommen haben, was sie gefunden hatten. Möglicherweise auch ein Fan. Posthum erschienene Manuskripte konnten eine Menge Geld machen, vor allem, wenn sie von einem derart skandalträchtigen Autor kamen, der in den letzten Jahren nicht schlecht Geld verdient hatte.

Sie stand vor dem Nichts. Dann… Erinnerte sie sich an einen Safe, eingelassen in einem Wandpanel hinter dem Schreibtisch. Sie erinnerte sich an einen Safe, in dem er seine persönlichen Schriftstücke aufbewahrt hatte. „Das Material“, wie er es nannte. Aufzeichnungen von Träumen, Tagebucheinträge, Überanalysen seiner Gefühle und alles, was er später für die inneren Monologe seine überempfindlichen, untervögelten Protagonisten verwendete.

Die Kombination entlockte sich ihren Fingern leicht. Es war das erste Datum, an das sie beim Namen Karl Rosenblatt dachte. Sie wüsste nicht einmal, woher sie sie kannte. Aber sie kannte sie. Beinahe als ob Karl sich Mühe gegeben hätte, die Kombination für sie zugänglich zu halten.

Es befand sich nichts weiter darin, als drei Blatt Briefpapier, die mit einer feinen, beinahe unleserlichen Schrift gefüllt waren. Die Hälfte aller Vokale sah gleich aus, die andere Hälfte erinnerte an keine, die sie lesen konnte. Die meisten Konsonanten waren zusammen gefasst zu unkenntlichen Strichen und Abstände zwischen den Wörtern gab es kaum.

Vor ihr lag die angestrengte Handschrift eines Mannes, der in den letzten Minuten seines Lebens sein Gewissen entleeren hatte wollen.

Überschrieben war es mit dem sechsundzwanzigsten Januar, dem Todestag von Rosenblatt.

Die Frau überflog die Seiten mit angestrengten Augen.

„Sie kommen bald, mich zu holen. Ich weiß es. Ich weiß es und ich fürchte es, denn es ist auf so viele Arten eine gerechte Strafe. Und dann doch wieder nicht, denn ich habe es nicht gedacht.

Ich hielt sie für meinen Segen, für den letzten Erfolg eines Mannes, der bereits alles erreicht hatte. In Wahrheit war sie mein Fluch, das weiß ich nun. Einen, den ich mir selbst auferlegt habe.

Der Reihe nach.

Ich… Ich schloss einen Pakt. Mit dem Guignol, mit seiner Besitzerin. Ich war ein dummer Junge damals, verzweifelt auf der Suche nach Anerkennung. Ein einsamer, armer Mann, ohne das Rückgrat, seine Ideen selbst in die Welt zu tragen.

Also schloss ich einen Pakt mit dem Teufel.

Ich weiß nicht mehr, wer mir empfahl, mich an das Grotesque Guignol zu wenden. Es war immer schon eine Institution der Stadt, ein Ort ohnegleichen. Und ich werde nicht den guten Namen irgendeines meiner Freunde beschmutzen und ihn damit in Verbindung bringen.

Doch nach einigen Monaten der Verzweiflung, des Hungers nach Anerkennung und Erfolg, traf ich die Besitzerin. Isabella.

Sie ist die Muse des Irrsinns. Für so viele der großen und schrecklichen Geister der letzten… Gott, Jahrzehnte? Jahrhunderte? Zeichnete sie allein verantwortlich. Sie war ein Gerücht, ein Schatten, der hinter jedem Künstler von Rang und Namen dieser Stadt lauerte, eine Kalliope der Grausamkeit.

Ich bettelte zu ihren Füßen darum, in diesen Kreis aufgenommen zu werden. Ich betete zu jedem Teufel, den ich finden konnte, das sie mich akzeptieren würde.

Sie erhörte mich nach ungezählten Gottesdiensten vor ihrem Altar der Groteske. Ihr allein verdanke ich meine Karriere. Durch ihren Segen war ich erfolgreich, war ich veröffentlich, war ich gefragt. Mein Werk hatte sich kaum verändert. Auch wenn vielleicht dieser kurze Blick in den Abgrund der Seele genügt hatte, um mir eine Schärfe zu geben, die ich alleine nie besessen hätte.

Ich weiß es nicht und ich empfehle einem jeden, nicht zu genau nachzuforschen, wie es sich genau zugetragen hat.

Ich war erfolgreich, bis ich verstoßen wurde. Dreizehn Jahre lang wurde ich mit Begeisterung aufgenommen, wurde vergöttert in den Zeitungen und allen Messen dieses Kontinents, gefürchtet in allen Seminaren. Der Erfolg stieg mir zu Kopf, ich leugne es nicht. Ich ging durch die Reihen von Jüngern meiner Schriften mit der fixen Idee im hohlen Schädel, nach mir, mir allein, würde sich jeder verzehren.

Ich fühlte mich sicher und wohl im Blitzlicht der Öffentlichkeit. Sicher genug, um Isabellas Segen auszuschlagen. Ich brach die Bedingungen unseres Paktes, ich verweigerte endlich die dunklen Opfer, die sie von mir verlangte.

Unsicher flüchtete ich in die Sicherheit der Aufmerksamkeit. Ich fürchtete mich vor meinem eigenen Schlagschatten und zitterte. Ob mich meine Muse verlassen würde, ob mein Ruhm verblassen würde, so unmittelbar mit Bruch unseres Paktes. Nichts geschah. Für einige Wochen nicht, dann für Monate nicht.

Ich träumte davon, dass es alles nur ein übler Traum gewesen wäre, nicht einmal ein Alptraum, sondern nur das dünne, unbefriedigende Wirrwarr eines gestörten Geistes.

Dann trat sie in mein Leben. Andrea. Und ich glaubte fast, dass mein Leben endlich ein Ende gefunden hatte, weil sich kein Platz mehr darin für etwas anderes als sie fand. Sie war groß und elegant, eine Frau voll Unheil und Aufregung und mit einem Lächeln, das tiefer als jedes Messer schneiden konnte.

Und für ein einziges Jahr, das das beste meines Lebens war, rettete sie mich vor mir selbst.

Sie ist tot. Ich hinterlasse dieses Geständnis nicht um meinen Namen rein zu waschen. Der Schmutz auf meinem Erbe ist der Preis, den ich für meinen Wortbruch zahlen muss. Nein, ich will Bericht ablegen über die tatsächlichen Umstände meines Todes.

Ich entleibe mich selbst, nicht aus Scham, nicht aus Furcht vor den Konsequenzen. Mein Leben ist nichts mehr wert, nicht seit sie fort ist, seit ich die Wahrheit kenne oder wenigstens vermute. Ich gebe es gerne hin.

Aber ich habe Andrea nicht getötet. Ich hätte es nie gekonnt. Nicht auf so eine Art und Weise. Nicht anders. Ich habe nie die Hand gegen sie erheben können. Nicht einmal als ich wusste, dass sie nur mit mir spielte wie die Katze mit der Maus. Dass sie ein Rachegeist war, den ich selbst beschworen hatte, und nicht einmal eine richtige Person.

Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass sie sich selbst getötet haben muss.

Es war eine dumme Kleinigkeit, die mich auf ihre Spur brachte: Sie erzählte nie von ihrer Kindheit.

Wenn ich sie fragte, machte sie nicht einmal Ausflüchte, sie erzählte bereitwillig Lügengeschichten über dieses oder jenes Ereignis von vollständiger Belanglosigkeit.
Aber sie erzählte nie ungefragt davon, erzählte mir nie von den Dingen, die sie vor unserem Zusammenkommen getan oder erlebt hätte. Als hätte ihre Existenz erst mit mir begonnen und würde mit mir enden.

Ich forschte über sie, ich recherchierte sie, wie ich jede andere Figur in meinen Büchern erforschen würde. Ursprünglich war das sogar mein Ziel. Sie in eines meiner Bücher zu stecken. Unzweifelhaft eignete ihr das leichtsinnige Schurkentum eines meiner Protagonisten.

Wie sich heraus stellte, existierte sie gar nicht. Nicht einmal ein wenig. Es gab keine Andrea L. Keine Behörde kannte sie, keine Urkunden bestätigten ihre Geburt oder ihren Tod oder auch nur ihre Existenz in irgendeiner beliebigen Zeit dazwischen.

Nichts.

Sie war ein Nichts, eine Nicht-Entität, bevor sie mich traf. Und heute klebt ihr Gesicht in allen Zeitungen der Stadt. Meinetwegen. Nur meinetwegen.

Ich glaube nicht, dass ich sie gemacht habe, dass ich sie mir ausgedacht habe. Nicht einmal ich bin krank genug, jemanden zu erträumen, nur um ihn zu töten. Nicht ohne Zweck.

Doch wenn ich darüber nachdenke, so finde ich einen recht poetischen Zweck. Mich zu töten, mich völlig zu ruinieren. Ihr Tod – ihr Selbstmord! – hat mich ruiniert. Vollständiger und umfassender, als es eine bloße Tötung an mir hätte tun können.

Die Umstände ihres Todes deuten nicht nur auf mich als Täter. Sie beweisen meine Täterschaft, die unmöglich sein sollte. Mehr noch: Sie beweisen meine unumstößliche Schuld in mehr als einer Hinsicht.

Ich bin überzeugt, dass Isabella sie geschickt hat – sie oder der Teufel, vor dem ich den blutigen Vertrag besiegelte, den wir geschlossen hatten. Mein Leben ist zu Ende. Nicht, weil ich es hiernach auslöschen werde. Dieser Akt ist kaum ein Nachgedanke, eine persönliche Schlussnote. Nein. Es ist vorbei, weil all mein Schreiben als wahr verlogen wird. Als das bloß psychotische Ventil eines Schlägers in einem Drogenkartell. Alles, alles wofür ich mein Leben hingegeben habe, meine Jugend und Träume, was ich mit Herzblut geschrieben – all das steht vor der Welt nun als bloßes Geständnis da.

Beinahe muss ich diese Hingabe bewundern. Dieser unumstößliche Wille, eine Verschwörung derart umfassend zu gestalten, dass sie wahr genug wird.

Eine Geschichte, die ich selbst nicht besser…“

Sie ließ die Blätter sinken, von denen sich noch mehrere im Sicherheitsschrank befanden und die in dieser Art weiter über die Ungerechtigkeit der Welt und das tragische Schicksal jammerten, das Rosenblatt ereilt hatte. Angewidert zerknüllte sie die Blätter in ihrer Hand.

Sie ging auf und ab, umrundete den blutbesudelten Sekretär mit einem garstigen Blick. In ihr brodelte es, ohne dass sie den genauen Auslöser dafür kannte. Die Namen, von denen sie in Rosenblatts sogenanntem Geständnis gelesen hatte, sagten ihr nichts. Andrea war jetzt wie früher ein bedeutungsloser Name für sie gewesen, das Guignol kannte sie nicht einmal vom Hörensagen. Doch irgendetwas an diesen Worten versetzte sie in Wut und Trauer und in Furcht, die sie nicht begreifen konnte.

Und dann hörte sie die Tür sich öffnen.