Max schlich aus dem Fahrstuhl. Ihre Geisel schob sie vor sich her, dirigierte ihn wie ein Pferd. Sie hatte ihm das Maul mit einem Fetzen gestopft, der hinter seinem Kopf noch zwei lange Striemen zog. Daran hielt sie ihn fest, während sie ihm die Waffe in den Rücken presste.

Der Gang im neunzehnten Stock des Nestes war leer, auch wenn sie von irgendwoher Kindergeschrei und Geklapper wie von Töpfen hören konnte. Max sah über die Schulter zu Sebastian.

Der Junge folgte ihr schleppend. Er sah müde aus. Seine Augenringe wirkten schwarz auf der blutleeren Haut. Er zog eine dünne Spur Blut hinter sich her, die ihm durch die Hände das Bein hinab rann. Max schob sich so schnell durch die Gänge, wie ihre Vorsicht es erlaubte. Im Schlepptau zwei Mal totes Gewicht. Hinter ihnen fuhr der Fahrstuhl einige zufällig gewählte Stockwerke an. Sie hatte willkürlich eine Reihe davon angesteuert, um die Verfolger zu verwirren. Aber lange würde sie das nicht aufhalten. Sie mussten wissen, dass sich das Trio in diesem Segment aufhalten würde, das gerade einmal fünf Stockwerke umfasste.

Sie fand eine Nische an der Kreuzung zweier Gänge. Eine Art von kleinem Aufenthaltsraum, in dem eine zerlegene Couch stand und ein kleiner Couchtisch, mit einem Fenster. Sebastian fiel an ihr vorbei auf die Couch. Er atmete flach und unregelmäßig. Max gab dem Tisch einen Tritt und verbarrikadierte mit ihm den Durchgang zum Gang wenigstens bis zur Hüfte.

Halbwachs sabberte irgendwelche Drohungen in seinen Knebel, wie er es den ganzen Weg über getan hatte. Max zwang ihn auf die Knie und dann auf den Bauch, ansonsten ignorierte sie ihn. Er war an den Händen gefesselt und sie hatte noch zwei Kugeln in der Pistole. Er war nicht Beiß, für ihn würden zwei reichen. Die Verletzung des Jungen war wichtiger.

Schusswunde. Sauberer Durchschuss. Kugel war im unteren Rücken eingetreten, knapp über dem Becken, und vorne neben dem Bauchnabel ausgetreten. Max knirschte mit den Zähnen, als sie seinen Pullover nach oben zog. Im Fahrstuhl hatte sie notdürftig versucht, die Wunde zu flicken, aber sie war zu groß. Zu viele größere Blutgefäße waren zerfetzt. Der Junge blutete aus. Langsam, aber unaufhaltsam.

„Scheiße“, murmelte sie.

Sie konnte ihn nicht transportieren. Selbst wenn kein blutdürstiger Haufen hinter ihnen her gewesen wäre, würde ihn der Weg ins Krankenhaus ohne Erstversorgung vermutlich umbringen. Zu viel Bewegung, zu viel Fußmarsch. So viel konnte sie sich auch mit ihrem Halbwissen aus einem Erste Hilfe Kurs zusammen reimen.

Sebastian stöhnte. Er schwitzte stark und zitterte am Oberkörper. Seine Lippen wurden blau und blass. Blutverlust machte sich bemerkbar und würde nur noch schlimmer werden.

Max legte ihm eine Hand auf die Wange. Ihre Gedanken rasten. Was sollte sie tun? Was konnte sie tun? Der Junge brauchte eine Transfusion und eine Operation, keine positiven Gedanken.

Max zog sich den Pulli hoch, zerriss ihr Tanktop. Es war mittlerweile schon egal, so zersiebt wie das Ding war. Vor Blut waren ihre Finger ganz glitschig, der Stoff sog sich schnell voll damit. Sie presste ihn auf die Wunde, suchte die zitternde Hand von Sebastian, legte sie darauf.

Es würde nicht aufhören, aber es gab ihm etwas zu tun.

Sie zerrte Halbwachs auf den Rücken, presste ihm die Pistole unters Kinn. Ihr Gesicht war seinem ganz nahe. Er würde ihren Atem riechen können, den Schweiß, der ihr vom Rücken aus auf die Brust floss. Den Gestank, in dem sie die letzten Tage gelebt hatte.

Schüsse vom Kinn gerade hinauf waren selten sofort tödlich, dachte sie plötzlich. Meist starben die Opfer an einer Infektion, weil in den vorderen Bereichen des Hirns keine für das Überleben des Körpers wichtigen Funktionen gesteuert wurden. Ein Prozess, der Tage dauern konnte.

„Schrei und ich puste dir das Hirn raus. Gib mir klare Antworten und wir kommen hier beide lebend raus“, knurrte sie ihm zu. Halbwachs nickte.

Seine Augen schwammen, dachte sie. Wie funkelnde Juwelen auf einem See. Trotz der Pistole sah sie keine Angst darin. Aber er nickte und Max zog ihm langsam den Knebel hinunter. Er schnappte nach Luft, hustete ein wenig, als er sich an seinem eigenen Speichel verschluckte. Der Knebel war nass davon.


„Raus. Und zwar der schnellste Weg“, sagte Max. Der Junge war in keiner Verfassung gewesen, ihr einen Ausweg zu nennen.

„Der Vordereingang“, sagte Halbwachs, „wird abgesperrt sein. Niemand wird das Gebäude verlassen, niemand wird herein kommen. Bis sie euch gefunden haben. Bis ich den Befehl dazu gebe.“

In seinen Augen funkelte der Widerstand. Ein widerliches Lächeln zog sich über seine fleischigen Lippen.

„Ihr werdet hier nie lebend rauskommen. Der Junge ist erledigt.“

Maxine warf einen kurzen Blick zu Sebastian hinüber. Er atmete noch immer angestrengt, ruckartig. Und presste sich einen roten Fetzen Stoff auf die Seite. Halbwachs hatte Recht. Das wusste sie. Aber etwas in ihr weigerte sich, ihn zurück zu lassen.

„Vielleicht kannst du dich verstecken, für eine Weile untertauchen hier drinnen. Natürlich werden sie dich irgendwann finden. Aber möglich, dass du noch ein paar Tage länger als der Kleine leben wirst. Wie dieser Degenerierte, dieser Haubenreißer. Du könntest dich in einem Betongrab einmauern und auf den Tod warten.“

Ein Hieb mit dem Waffengriff auf die Brust trieb Halbwachs die Luft aus. Er hustete und spuckte einen Augenblick.

„Ich hab dich nicht nach dem Ausgang gefragt“, knurrte Max. Sie drehte seinen Kopf so, dass er Sebastian sehen konnte. „Ich werd mich nicht einfach auf den Rücken drehen und auf den Todesstoß warten, kapiert? Vorher töte ich dich und deine ganze Bande Irrer. So wie ich Beiß getötet habe.“

Halbwachs grinste. Etwas stimmte nicht mit seinen Augen, wie er aus hasserfüllten Schlitzen zu ihr hinauf starrte. Sie waren fanatisch und doch distanziert. Als sähe er in eine andere Welt jenseits der wirklichen. Eine Welt, in der andere Regeln galten als die der Vernunft.

„Dann schließ dich uns an. Die Taufe in Blut wäscht alle vorherigen Sünden fort. Deine Strafe wäre dir vergeben, Schwester, und dein Leben neu begonnen im Angesicht der Herrin.“

Max stutzte, wusste einen Augenblick lang nicht, wie sie auf dieses Angebot reagieren sollte. Noch bevor sie ihm ihre Ablehnung entgegen werfen konnte, zuckte sie zusammen.

Ein elektrostatisches Knacken erfüllte die Luft. Rückkopplungen zischte ihr in den Ohren und sie knirschte mit den Zähnen. Das Lautsprechersystem der Anlage war angeschaltet worden. Jemand pochte mit dem Finger gegen das Mikrofon, es war ohrenbetäubend.

„Maxine Schwarzbrunn“, dröhnte es. „Du hast dich gegen die Regeln und Gesetze unseres Zusammenlebens vergangen. Du hast gemordet, du hast gestohlen.“

Max wurde schlecht. Die Welt um sie herum verschwand hinter einer Dunstwolke aus Schweiß, aus hämmernder Übelkeit in ihrem Magen und dem Gelächter von Markus Halbwachs unter ihren Fingern. Sie kannte diese Stimme. Selbst durch die Statik hindurch erkannte sie ihn.

Stephan Beiß.

Sie hatten ihn in einer breiten Spur seines eigenen Blutes zurück gelassen. Und hier war er, irgendwo am Leben. Er klang etwas mitgenommen… Aber lebendig. Zu lebendig für einen Mann mit fünf Kugeln in der Brust.

„Es gibt nur eine Strafe für Verbrechen wider die Gemeinschaft: Den Tod.

Wer auch immer mir ihren Kopf bringt, dem wird ein Wunsch von mir gewährt. Wer Markus Halbwachs aus ihren Klauen rettet, soll auch von ihm einen Wunsch erhalten. Fordert etwas von mir und wenn es in meiner Macht steht, wird es euch gewährt werden – zusätzlich zu einer Belohnung in Höhe von einhunderttausend Euro.“

Die Lautsprecheranlage schaltete sich ab, ohne Widerspruch zu dulden.

Halbwachs, das Gesicht auf den laminierten Betonboden gepresst, ihre Handfläche auf die Wange und eine Pistole an die Schläfe gepresst, lachte. Er lachte noch, als seine Lunge sich verkrampfte und Husten ihn durchschüttelte.

„Wieso zur Hölle lebt der noch?!“, schrie Max ihm entgegen ohne eine Antwort zu erwarten.

Ihre Geisel schnappte nach Luft.

„Was, weil du ihm ein paar Kugeln in die Brust gesetzt hast? Schmeichle dir nicht selbst. Beiß ist ein Monster, kein Mann. Durch Blut und Schmerz hindurch hat er diesen Turm erklommen und ist aufgestiegen, hat seine Sterblichkeit abgelegt wie einen Kokon.“

Max stopfte ihm den Knebel zurück ins Maul. Sinnlos mit diesem Verrückten zu reden.

Sie kroch zu Sebastian zurück. Er atmete nur noch schwach und war bleich wie der Himmel draußen vor dem Fenster. Seine Hände waren rot und feucht. Max ergriff sie.

„Sebastian? Sebastian, hörst du mich?“

Er antwortete nicht. Seine Augen waren noch geöffnet, aber er sie starrten aus dem Fenster, ohne irgendetwas zu sehen.

Es war ungerecht, dachte sie. Beiß lebte noch. Beiß lebte, nachdem sie ihm aus nächster Nähe die Brust durchschossen hatte, und Sebastian, den rauszuholen sie überhaupt nur ins Nest gegangen war, verblutete wegen einem einzigen Schuss in den Rücken. Was hatte Beiß? Wieso lebte er noch? Unmöglich hatte er einen Arzt bei der Hand. Kein Arzt war so gut, kein Arzt hatte Zugang zu solchen Mitteln. Es müsste mit dem Teufel zugehen, um ihn aus diesem Schock…

Max fiel es wie Schuppen von den Augen.

V.

Sie hatte gesehen, was die Droge mit Thommy und Haubenreißer angestellt hatte. Beiß war außer sich gewesen, als ihm ein Kästchen davon gestohlen worden war. Er war bereit gewesen, dafür zu töten. Sich töten zu lassen.

Und in ihrer Tasche befand sich eine kleine Phiole davon. Vielleicht würde es Sebastian lange genug am Leben halten, um ihn hier heraus zu bringen. Oder wenigstens sein Leid mildern.

Der Verschluss entglitt ihren blutgetränkten Fingern immer wieder. Schließlich nahm Max ihre Zähne, biss ihn einfach ab. Wohin damit?, fragte sie sich, Auf die Wunde? Mit einer Hand hob sie den Kopf von Sebastian an, flößte ihm die zähflüssige Substanz ein.

Nichts geschah, als die Phiole geleert war. Kein wundersames Aufbäumen, kein Blitz vom Himmel erfüllte ihn mit neuem Leben.

Nur seine Züge entspannten sich ein wenig, als fiele der Schmerz von ihm ab. Er seufzte und zitterte am ganzen Leib. Seine Augenlider flatterten und er sank in die schmutzigen Kissen der Couch zurück.

Dann kehrte Farbe in sein ausgemergeltes Gesicht zurück, seine Lippen erhielten eine frische, rote Farbe. Maxine blinzelte, legte eine Hand auf seine Wange. Er wurde heiß, heißer als ein bloßes Fieber es vermocht hätte.

Vorsichtig zog sie seine Hand von der Wunde. Sie blutete nicht länger. Und vor ihren Augen begann sie zu heilen. Frische, rosige Haut bildete sich auf dem Loch in seiner Flanke. In rasanter Geschwindigkeit verbanden sich Adern, wuchs Fleisch zusammen und kittete sich Haut. Sebastian hatte eine Menge Blut verloren… aber er blutete nicht mehr. Die Wunde hatte sich geschlossen.

Wegen einer kleinen Phiole Blutes.

Max fiel dem Jungen um den Hals. Sie drückte ihn an sich, als wäre er wirklich ihr kleiner Bruder. Tränen flossen ihr über die Wangen, als sie ihre Finger in seine Haare krallte.
„Was…?“, fragte er. Seine Stimme zitterte noch. Er war schwach, aber er lebte.

„Dir geht es besser“, war ihre Antwort.

Sie löste sich von dem Jungen.
„Kannst du aufstehen, kannst du gehen? Wir haben nicht viel Zeit. Beiß wird uns bald finden, wenn wir nicht in Bewegung bleiben.“

Sebastian richtete sich auf, kam mühsam von der Couch herunter. Er sah an sich herunter. Seine Kleidung war so blutdurchnässt wie ihre.

„Ich bin angeschossen worden“, sagte er und sah an sich hinab. Eine Narbe, etwa münzgroß, knapp unter den Rippen. Und all das Blut.

„Ich weiß nicht, wie, Sebastian. Ich… Ich bin nur froh, dass du lebst. Komm. Wir müssen weiter. Wir müssen raus hier, bevor sie uns finden. Dann ist Zeit für Fragen.“

Halbwachs stierte sie von der Seite an. Sie zerrte ihn an seinem Knebel auf die Beine und ignorierte, dass er stumm in seinen Knebel brüllte. Er klang wie ein Priester des Wahnsinns, dachte Max, wie ein Prediger einer irren Welt. Sie wusste nicht, was hier gespielt wurde, aber so leicht würde sie davor nicht nachgeben.

Niemals wieder.

Sie atmete tief durch. Dann wagte sie sich hinaus in die Gänge des neunzehnten Stockwerks.

Jemand hatte eine große Eisenstange genommen und damit in das Nest gestochen. So jedenfalls kam es ihr vor. Eine ganze Menge kopfloser Aktivität zerriss eine Stille, an die sie sich fast gewöhnt hatte. Obwohl es weniger eine Stille war und mehr ein leises, ominöses Brummen.

Nur war es jetzt lauter geworden. Aggressiver. Wie von wütenden Insekten.

Hunderte von Leuten wuselten durcheinander, auf der Jagd nach ihr und ihrem Kopf. Und je weiter nach unten sie kämen, desto dichter und wirrer würden das Gewimmel werden.

Sie kamen gerade zwei Stockwerke weit, bevor sie auf die erste Barrikade stießen.

Max beobachtete sie von einer Biegung des Ganges aus. Eines der Treppenhäuser war mit einer notdürftigen Barrikade versehen. Tische und Stühle waren zusammen geworfen worden, um den Durchgang zu blockieren und drei Frauen und ein Mann standen davor herum und kontrollierten jeden, der hindurch wollte.

Sie fluchte leise. In ihrer Pistole steckten noch genau zwei Kugeln und sie konnte sich nicht darauf verlassen, in einem Handgemenge mit diesen Leuten fertig zu werden. Und ihre Geisel würde sie sofort verraten. Die Fahrstühle waren auch unbrauchbar: Sie fuhren nicht durch den gesamten Turm, sondern nur die einzelnen Segmente von je fünf Stockwerken. Und Max war sicher, dass Beiß Wachposten an jedem Endpunkt stationiert haben würde.

Max und Sebastian zogen sich zurück.

„Wir kommen hier nicht runter“, fauchte Max. „Zu viele von denen. Wenn ich Beiß wäre, ich würde alle Engpässe absperren und systematisch von unten nach oben das Haus durchsuchen. Selbst wenn wir es an ihm vorbei schaffen, hat er ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt, das die Junkies unten nur zu gerne einlösen würden.“

„Und jetzt?“, fragte Sebastian. Er sah den Gang hinab, zu einem der schmalen Fenster. Das Nest war isoliert vom Rest der Stadt, abgetrennt durch einen Platz von einiger Größe, der bereits menschenleer wäre. Auf den Befehl von Beiß wären schon lange alle Tore hinaus geschlossen worden. Niemand würde den Komplex betreten oder verlassen, bevor man sie nicht gefunden hatte.

„Jetzt sitzen wir fest.“

„Warte“, sagte Sebastian und drückte sich näher an sie. „Halbwachs. Er wohnt im Penthouse, ganz oben, oder? Das ist die dreißigste Etage. Der nimmt nicht jedes Mal die Treppen. Oder das halbe Dutzend Aufzüge, das man normalerweise nehmen müsste. Ich habe Gerüchte gehört, von einer schwarzen Limousine, die manchmal nachts aus dem Parkhaus fährt. Halbwachs‘ vielleicht oder sogar von dem Kerl, dem der ganze Komplex gehört.“

Max lächelte Halbwachs finster an.

„Stimmt das?“, fragte sie. „Gibt es einen Privataufzug in deinem Penthouse?“

Halbwachs funkelte sie giftig an. Das konnte er gut, hatte sie in der letzten halben Stunde festgestellt. Sie stieß ihm die Mündung ihrer Pistole an die Schläfe.

„Ich hab keine Ahnung, was in diesem ‚V‘ drin ist, dass es Blutungen stoppt und große Schusswunden heilt“, sagte Max ganz leise, so dass Sebastian es nicht hören konnte. „Aber ich weiß, dass es nicht viel hilft, wenn man dir den Kopf zerschossen hat. Hab es selbst gesehen bei Haubenreißer. Wenn so ein Kopf erstmal zerplatzt ist…“

Schmauch rieb sich auf seiner Haut ab. Ganz dünn, kaum merklich. Halbwachs starrte sie an. Sie ließ ihn den Stahl auf seiner Kopfhaut spüren, die Mündung der Pistole, die nur eine dünne Knochenschale vom Inhalt seines Schädels trennte.

Halbwachs starrte aus dem Fenster. Er sah in die langsam untergehende Sonne hinaus, dann nach oben. Einen Augenblick lang zögerte er, wägte seine Optionen ab.

Letzten Endes nickte er.

Max ließ ihn los. Über ihre Schulter rief sie zu Sebastian:

„Dann mal los. Unser eine Chance, hier raus zu kommen, ist nach ganz oben.“

„Und was dann? Wir wissen nicht, wie die Sicherheitsvorkehrungen da oben aussehen.“

Max schubste Halbwachs wieder vor sich, packte ihn an dem Knebel.

„Na los, weiter. Je schneller wir da sind, desto schneller bist du uns los und wir dich.“

Sie erwartete ein grässlicher Aufstieg. Sie befanden sich im neunzehnten Stockwerk. Bis zum Penthouse waren es noch zehn Etagen voller Kultisten und Kumpanen. Aber es wäre besser, als es mit den Horden unter sich aufzunehmen.

„Über die Brücke gehen wir, wenn es soweit ist“, antwortete Max endlich auf Sebastians Frage. „Ich nehme es lieber mit ihm hier und seinem Sicherheitssystem auf, als mit den ganzen Junkies unter uns.“