Die Sonne war ein Loch im Himmel, dunstig und belastend. Ihre Ränder fransten aus wie ein Mottenloch. Max blickte vom Himmel über das Häusermeer, die gesichtslosen Fassaden in der Ferne hinunter, den Platz entlang, zurück auf die Fensterscheibe zwischen ihnen. Ihr Gesicht spiegelte sich darin, undeutlich und unbedeutend.

Sie klopfte dagegen, als ob sie die wirre graue Masse vor dem Fenster damit zerbrechen könnte.

Nichts. Ihr Gesicht blieb ausdruckslos und die ominöse Traurigkeit schwebte weiter über ihr. Max drehte den Kopf zur Seite.

Sie befand sich in einer kleinen Wohnung im zweiten Stockwerk einer Anlage aus Wohntürmen, die von allen nur „das Nest“ genannt wurde. Max hätte es eher einen Bau genannt, einen Termitenbau. Voller Parasiten und Schädlinge. Und es war der Treffpunkt einer ganz speziellen Bande von Nutzlosen und Tagedieben.

Sie hatte keinen Namen, keinen, der irgendetwas bedeutete. Eigentlich war auch schon der Name Bande zu viel gesagt, wie Max in den letzten Tagen heraus gefunden hatte. Im Grunde sammelten sich hier nur Kleinkriminelle an – Faulenzer und Junkies, die ihre Tage vor sich hertrieben ließen wie Treibgut. Irgendetwas spülte sie hier an. Vielleicht die verfügbaren Unterkünfte, vielleicht die gesichtslose Großstadtnachbarschaft, in der sie mühelos untertauchen konnten.

Einige von ihnen lagen im Wohnzimmer verteilt, saßen an den Wänden. Vielleicht zehn teilten sich dieses Appartement oder hatten es besetzt, was auch immer man dazu sagen wollte. Ein oder zwei unterhielten sich, kritzelten auf Zeichenblöcken herum. Der Rest schlief auf schäbigen Matratzen und würde bis in den frühen Nachmittag hinein schlafen.

Hartnäckig hatte Max die Couch verteidigt, auf der sie diese und die letzte Nacht verbracht hatte. Sie änderte ihre Haltung, hievte sich halb nach oben und zog die Beine an. Sie kauerte sich am Ende der Couch zusammen, Wange und Schulter gegen die kühle Fensterscheibe gepresst.

Sie kramte in ihrem Rucksack, den sie als Kopfkissen benutzt hatte. Wechselkleidung, ein wenig Essen, Hygieneartikel. Ein schlechter Liebesroman, den sie bereits drei Mal gelesen hatte. Verbandszeug und Spritzen hatte sie zu einem kleinen, ledernen Päckchen verschnürt und es nicht angerührt. Genau wie die etwa daumengroßen Aluminiumkügelchen, die sie aus der Tasche ihrer Strickjacke zog. Die waren Tarnung – und ersetzten hier drinnen das Schmiergeld.

Sie zog ein zweites kleines Täschchen hervor, aus dem Filter und Papiere quollen.

Sie zog die Nase hoch, rieb sich das Auge mit der linken Handfläche. Noch etwas verschlafen blinzelte sie den Körper an, der vor ihrer Couch auf einer dünnen Matratze lag. Genau wie sie trug er noch seine Kleidung vom Vortag, oder von der Vorwoche. Im Gegensatz zu ihr hatte er eine Decke.

Sie trat ihm gegen das Schienbein.

„Thommy“, sagte sie. „Thommy, ich brauch den Tabak.“

Seine Augen öffneten sich schwerfällig. Er blinzelte mit geröteten Augen, die er gar nicht richtig öffnen konnte. Sand klebte ihm zwischen den Lidern und er sah aus dünnen Schlitzen an Max vorbei aus dem Fenster.

„Ich hab den seltsamsten Scheiß geträumt“, sagte er und drehte sich auf den Rücken.

Max zog ihre Beine zurück unter sich, richtete sich ein Stück weit auf.

„Tabak“, grummelte sie und hielt die Hand auf.

„Ich hab geträumt, ich wäre irgendeine Art von Insekt. Ich weiß nicht mehr so recht, was es genau war. Ein kleines Viech mit vielen Beinen jedenfalls. Ein Käfer, sagen wir, wie bei Kafka. Aber ich fand es gar nicht schlimm, ein Ungeziefer zu sein. Ich glaube mir gefiel es besser, Insekt in einer Insektenwelt zu sein, denn als Mensch in einer Insektenwelt zu leben.“

Er fummelte an seiner Bauchtasche herum, die er unter seinem Pulli verborgen trug, und warf Max ein halbleeres Päckchen Tabak zu. Sie begann, eine Zigarette zu drehen. Sie schnaubte, einen Filter im Mundwinkel.

„Esoscheiße“, sagte sie, ohne ihn anzusehen.

Thommy schloß die Augen, verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Ein Lächeln blieb auf seinem Gesicht kleben, für einen Augenblick.

„Vielleicht“, sagte er. „Aber immerhin ein netter Traum.“

Max war fertig und steckte das Drehzeug wieder in ihre Taschen. Seinen Tabak eingeschlossen. Immerhin drückte sie Thommy eine brennende Zigarette in die Hand, bevor sie den Hinterkopf am kühlen Fensterglas anlehnte.

„Bisschen langweilig dein Traum“, sagte sie und bleckte die Zähne. „Aber ich wusste immer schon, dass du ein Fliegeviech mit zu viel Beinen bist. Vielleicht solltest du einfach hier bleiben und warten, bis sie dich abholen.“

Für einen Augenblick war Thommy darauf hin ruhig und rauchte nur mit geschlossenen Augen. Max sah wieder zu den anderen, die in der Wohnung waren. Sie kannte keinen einzigen davon und sie wollte auch niemanden kennen lernen. Die Gruppe Hausbesetzer zu nennen, wäre schon zu viel gesagt. Eher noch waren es Landstreicher, nur dass sie eben nicht über das Land, sondern durch die Stadt streiften, auf der Suche nach Spaß und Verantwortungslosigkeit.

Einer von ihnen musste wissen, wonach Max suchte, weswegen sie hier war.

Nur wer von Ihnen?

„Was ist so schlimm daran, seiner Natur gemäß zu leben? Warum findest du das ekelhaft?“, fragte Thommy und unterbrach ihre Gedanken. Sie fixierte Thommy, der sie aus seinen halb geöffneten Augen ansah.

„Weil es eine Scheißnatur ist, deswegen Thommy. Ich bin lieber Mensch in einer Menschenwelt.“

„Und trotzdem bist du hier.“

Max presste die Lippen aufeinander. Sie drückte ihren Zigarettenstummel im Aschenbecher hinter sich aus, dann stopfte sie ihre Hände wieder in die Taschen ihrer Jacke.

„Und trotzdem bin ich hier.“

„Ich wundere mich nur, Max, das ist alles. Ist ja nicht so, als hättest du keine anderen Möglichkeiten.“

Max sah wieder zu den Anderen hinüber. Der Großteil schlief weiterhin, auf Matratzen am hinteren Ende. Und die zwei, die schon wach waren, steckten die Köpfe in einer der Ecken zusammen. Sie notierten und besprachen eifrig, was sie notierten. Wenn Max sich nicht irrte, hatte einer von Ihnen ihr gestern Abend eine Stunde lang von einem sehr wirr klingenden Buch erzählt, das er schreiben wollte. Etwas über einen Ritter, der kein Ritter war, sondern ein Alptraum.

Sie hatte nicht wirklich zugehört, aber seinem Erzähldrang freien Lauf gelassen. Mit Menschen unter Drogeneinfluss sollte man nicht zu viel diskutieren.

„Du weißt, warum“, flüsterte sie Thommy zu.

„Jaja, schon klar. Undercover Rettungsaktion und all das. Aber ich bin eben neugierig, wieso du nach all der Zeit plötzlich… Ich meine, ich helfe ja gern. Aber gibt es da nicht andere Möglichkeiten?“

„Psst“, sagte sie und hob eine Hand. „Hörst du das?“

„Ich höre, dass du von Fragen ablenkst…“

„Nein, jetzt Mal ganz im Ernst. Hörst du das? Klingt, als würde da einer randalieren oder einen Schrank auseinander nehmen.“

Thommy schüttelte den Kopf, blickte zur Tür. „Du hörst die Flöhe husten“, sagte er, „Es wird einer der Nachbarn sein, zieht vielleicht aus oder ein oder…“

Ein Scheppern unterbrach Thommys Ausreden. Der Stahlbeton in den Wänden dämpfte es nur mühsam, die endlosen Gänge des Turms voller Linoleum und Leere verstärkten es. Es erschütterte Max und ließ sie auffahren. Die beiden Junkies in der Ecke sahen nicht einmal auf. Der Rest wälzte sich unruhig im Schlaf und knäulte sich zusammen.

„Was war das?“, fragte sie.

Thommy leckte sich über die Lippen, sah zur Tür.

„Der Sicherheitsdienst, schätze ich mal. Kommt ab und an vor, dass einer Streit mit denen sucht. Dann wird es manchmal etwas lauter. Aber das ist gleich wieder vorbei.“

Max war über Thommys Matratze hinweg gesprungen, noch bevor er seinen Satz beendet hatte. Er griff nach ihr, war aber zu langsam und kam nur mühsam auf die Knie.

„Nicht!“, sagte er, „Du fällst noch auf!“

Aber Max war bereits zur Tür hinaus und mitten im Chaos gelandet.

Der Korridor war wüst. Nicht nur, weil er voller Graffiti und Schmierereien war. Rucksäcke waren darin herum geworfen worden, ihre Inhalte verteilt. Endlos viele Zigarettenschachteln und Feuerzeuge, Klamotten, Schuhe, Stühle, Kissen, Unterwäsche, die irgendwie benutzt aussah – alles mögliche an persönlichem Kram lag hier zerstreut, hin und wieder auch ein Mensch.

Als hätte ein Riese eine Wohnung aus der Turmanlage gerissen, herum geschüttelt wie ein Puppenhaus und in genau diesen Korridor hinein geschleudert.

Den Gang hinunter, zwei Wohnungen weiter, standen zwei Kerle vor der Eingangstür, die sperrangelweit geöffnet war. Sie sahen eher gelangweilt aus, obwohl Lärm aus der Wohnung hinter ihnen zu hören war. Schreie von Menschen, zersplitterndes Geschirr, reißender Stoff.

Während sie noch hinsah, erschien ein Mann in der Tür, schleuderte einen Matrosensack hinaus, der die Hälfte seines Inhalts über den Boden verteilte. Nur einen Herzschlag später zerrte der Mann einen anderen hinaus, trat ihn in den Flur. Der Getretene stolperte und prallte mit einem fleischigen Klatschen gegen die Betonwand gegenüber. Als er wieder hoch kam und zurück in die Wohnung springen wollte, packte ihn einer der Türsteher am Kragen seines Shirts und schleifte ihn weiter in ihre Richtung.

Thommy hatte mittlerweile zu Max aufgeschlossen. Er warf nur einen flüchtigen Blick hinaus in den Flur, dann zog er sich schnell wieder in die Wohnung zurück.

„Lass uns wieder reingehen“, sagte er. „Die werfen nur jemanden raus. Relokation oder so. Hast du bestimmt schon gesehen, oder? Ist nicht weiter spannend.“

Max starrt zu der Wohnungstür hinüber, aus der Stück für Stück mehr Männer und Frauen kamen, die andere hinaus warfen. Es waren vielleicht acht oder neun Leute, alle ohne Uniformen oder irgendwelche anderen Kennzeichen. Eine handvoll von ihnen sah so aus, als würden sie selbst zu den Hausbesetzern und Junkies des Hauses gehören. Sie war sogar sicher, einen von ihnen vor ein paar Tagen erst draußen beim rumhängen gesehen zu haben.

„Selber schon gemacht“, sagte sie, ohne den Blick von der Gruppe abzuwenden. „Aber immer mit richterlichem Beschluss.“
Sie beobachtete, wie ein großer, blonder Mann aus der Wohnung kam. Er war größer als die anderen, sah auch irgendwie gesünder aus. Weniger Pockennarben, mehr Zähne im Gesicht. Er baute sich vor den ehemaligen Bewohnern auf, die von der Gruppe Schlägern in eine Ecke gedrängt wurden. Sie hatten alle die gleichen Gesichter: Eingefallen, kraftlos, desinteressiert. Es war wie Viehtreiben, dachte Max. Ganz anders, als sie es damals gemacht hatte. Die Menschen, die sie zwangsgeräumt hatte, hatten sich mit Zähnen und Klauen gewehrt.

Sie zog die Augenbrauen zusammen.

„Und auch immer nur in Uniform“, sagte sie.

Max war unfähig, die Augen von dem Geschehen abzuwenden. Sie sah dabei zu, wie zwei Männer und drei Frauen – Leute wie sie und Thommy, dachte sie – vor der Überzahl hergetrieben wurden.. Es war nicht fair und es war ganz sicher kein gerechter Kampf. Genau genommen war es nicht einmal ein Kampf, die Vertriebenen versuchten nur, den Stahlrohren und Balken auszuweichen, mit denen die Schläger nach ihnen hieben. Sie blieben Rücken an Rücken zusammen und ließen sich langsam durch den Korridor treiben.

Keine der anderen Türen im Gang öffnete sich. Niemand reagierte auf das Geschrei, auf das Klatschen von Schuhsohlen und Waffen auf Fleisch.

Nicht einmal sie.

Sie stand nur dort in der Wohnungstüre und beobachtete. Thommy duckte sich hinter sie, als ob er Angst hatte, gesehen zu werden. Vielleicht, weil er fürchtete, ebenfalls aus seinem Käfig gezerrt zu werden. Max hatte keine solche Ausrede. Sie hatte keinen Platz hier im Nest, sie wollte auch keinen.

Du bist kein Bulle mehr, dachte sie und knirschte mit den Zähnen. Ihr Job war ein anderer. Sie war nicht deswegen hier.

Sie beobachtete, wie der große Blonde die Truppe an Schlägern dirigierte. Seine Anwesenheit, sein Blick war genug, um die Bewohner vor sich her zu treiben. Er war hochgewachsen, einen guten Kopf größer als Max und um einiges breiter. Kurze Haare, straßenköterblond. Er trug eine verwaschene Jeans, ein weißes Muskelshirt, Sneaker – sonst nichts. Keine Marke am Revers, keine Pins oder Ausweise irgendwo. Nichts, das ihn als Sicherheitspersonal gekennzeichnet hätte, wie Thommy erst behauptet hatte.

Einfach nur ein Brutalo, der noch die anderen Schläger in den Schatten stellte.

Dann begegnete er Max‘ Blick.

Irgendetwas ließ sie erschauern. Es war nicht die Farbe seiner Augen, obwohl das eisklare Blau verstörend sein konnte. Nicht der durchdringende und trotzdem abwesende Blick, der Max gar nicht wahrzunehmen schien.

Sondern dass sie diese Art von Blick schon einmal gesehen hatte, vor Monaten. Kurz, bevor ihr ganzes Leben ruiniert worden war.


Dieser Augenblick der Ablenkung war genug.

Eine der Vertriebenen sprang nach vorne, sie prallte gegen den großen Mann. Sein Kopf peitschte nach hinten, ein hässliches Knirschen erschütterte sie alle. Gebrüll. Der Mann schwankte, wankte nach hinten. Blut spritzte. Brocken flogen durch die Luft.

Zwei der Schläger sprangen nach vorne, zerrten die Frau von ihrem Anführer herunter. Bruchstücke von irgendetwas polterten zu Boden. Die restlichen Handlanger hieben die anderen Bewohner auseinander.

Ihre alten Instinkte und ihr Training packten sie. Max wollte nach vorne springen, sich in das Getümmel werfen, irgendetwas tun, bevor die Sache weiter eskalierte.

Thommy packte sie an ihrem Pullover, zerrte sie mit einem Arm um ihren Hals zurück in die Wohnung und warf die Türe zu.

„Nein“, knurrte er mit einer Aggressivität, die sie ihm nicht zugetraut hätte. Er hielt sie mit beiden Armen umklammert.

„Spinnst du? Die massakrieren sich!“

„Mach keinen Scheiß, das geht uns nichts an. Der große Typ, dem sie grad den Schädel zertrümmert hat? Das ist Stephan Beiß, der Sicherheitschef vom Haus.“

„Der hat grad irgendwas schweres ins Gesicht bekommen, man! Der braucht Hilfe.“

„Dem geht‘s gut.“

„Du verarschst mich“, sagte Max und starrte Thommy an, versuchte eine Lüge in seinem Gesicht zu entdecken oder einen schlechten Scherz. Doch der schüttelte nur den Kopf, deutete auf den Türspion neben ihrem Kopf.

„Sieh hin“, sagte Thommy, ohne seinen Griff zu lockern. „Ich hab ihn das ein paar Mal abziehen sehen. Glaub mir. Ducken, in Deckung gehen und beten, dass er dich übersieht. Der Kerl frisst Nägel zum Frühstück und scheißt dir zum Mittag Macheten.“

Max drückte sich vorsichtig zur Seite. Sie sah durch das kleine Guckloch in der Tür und obwohl ihr Blickwinkel nicht sonderlich groß war, sah sie genug vom Treiben draußen.

Der Korridor vor der Tür war entsetzlich ruhig. Die Schläger hatten die Bewohner der Nachbarwohnung an die Wände gepresst, hielten sie im Würgegriff oder ihre Schlagwaffen vor die Kehle. Max entdeckte etwas, das wie die blutigen Stücke eines Kleiderständers aussah. Die Frau musste ihn ergriffen und Beiß wie mit einem Speer attackiert haben. Sie hockte mitten im Gang, ein Schläger hielt ihr die Arme schmerzhaft hinter dem Rücken verdreht.

Beiß war wankend auf die Beine gekommen. Sein Gesicht war eine Ruine. Der Aufprall hatte seine Nase zertrümmert, Fleisch war unter der Wucht aufgeplatzt. Eine Hälfte seines Kopfes wirkte, als wäre seine Augenhöhle zerschmettert worden. Irgendwie schief und weich, wie ein Apfel, dessen Kern verrottet war. Stücke und Haken von Metall, manche davon lang und dick wie Finger, steckten in seinem Schädelknochen. Überall klebte Blut.

Aber er stand und überragte seine Angreiferin.

Wie ein Bär, dachte Max.

Dann, mit einer überlegten, fast vorsichtigen Bewegung, zog er seinen Arm nach hinten. Und rammte ihr seine Faust ins Gesicht. Die Frau knallte auf den Boden, zuckte, und blieb liegen. Selbst der Schläger, der sie gehalten hatte, wurde nach hinten geschleudert. Der kam auf die Knie, packte die Frau bei den Haaren und begann, sie zurück zur Wohnung zu schleifen, aus der man sie eben vertrieben hatte.

Beiß spuckte aus. Blut und Knochen landeten im Rücken der Frau. Sein Blut und Stückchen seines Schädels. Er öffnete die Arme weit, blickte dem Rest der Gruppe in die Augen. Er brannte vor Hass. Es war eine Herausforderung. Eine stumme, grässliche Frage, ob es noch mehr Herausforderer gäbe.

Niemand trat vor. Wie Vieh auf der Flucht rannten sie in Richtung des Ausgangs. Niemand wehrte sich gegen die Hiebe, die ihnen in die Schläger zwischen die Beine warfen.

Max wurde schlecht, sie wankte zur Seite. Sie sackte nach vorne, presste die Stirn gegen das Holz mit dem schmalen Blechkern, die ihr so dünn vorkam wie Papier.

Aus den Augenwinkeln sah sie zum Türspion, der nur eine Handbreit neben ihrem Kopf war.

Sie wusste: Wenn sie hindurch sah, würde sie dieser Blick anstarren. Dieser Blick, klar wie Eis, der ihr bis ins Mark drang.

Und sie fürchtete sich, dass sie ihn damit herausfordern würde.

Vielleicht war das die Bande, nach der sie gesucht hatte.