Schuld und Sünde – Teil III: Eine ethische Anfrage

Manche Ideen gehen einem einfach nicht mehr aus dem Kopf. Sie setzen sich in den Gedanken fest, fressen sich in die Erinnerung. Und dann bleiben sie dort, schlagen Wurzeln.

Eine dieser Ideen quälte Maxine Schwarzbrunn, seit sie ihren Auftrag bekommen hatte.

Die große Stadt, die der Alptraum ist, wo aller Abschaum zusammen schäumt.

Sie konnte sich nicht daran erinnern, wo sie diesen Satz gehört hatte, aber er zwängte sich in letzter Zeit immer öfter in ihr Bewusstsein. Sie wusste, dass sie nicht so denken sollte. Ihre Arbeit verlangte ein Mindestmaß an Mitgefühl, sie konnte – durfte – nicht von Menschen als Abschaum denken. Auch, wenn es schwer war, bei den Dingen, die sie einem schon in der Ausbildung zeigten. Bei all den aufgeschlitzten Kehlen und Schusswunden fiel es schwer, den Glauben an die Menschheit nicht zu verlieren.

Eigentlich war sie sich sogar sicher, nur deswegen hierher geschickt worden zu sein. Weil ihr Vorgesetzter hoffte, ihr etwas Mitgefühl für den Abschaum beizubringen. Die menschliche Seite zu sehen, wie er es formulierte.

Maxine schnaubte, zündete sich eine weitere Zigarette an. Sie lehnte sie an ihrem Wagen, rauchte, und verschwendete Zeit, obwohl es bereits spät war und sie nach Hause wollte. Pflichtvergessenheit könnte man ihr vielleicht vorwerfen, auch wenn sie das anders sah. Soweit es sie betraf, war es ihre Pflicht, unschuldige Bürger vor Mördern und Vergewaltigern zu schützen und nicht umgekehrt.

Sie stieg jeden Tag in diesen Alptraum hinaus, da war es nur ein kleiner Trost, ihm noch einige Minuten zu entkommen.

Vor ihr erstreckte sich eine malerische Landschaft. Wiesen, kleinen Wäldchen und Bächen und sogar ein paar Kühen und Pferden, so weit das Auge reichte. Es war, als hätte ein Riese mit einem Messer einen großen Brocken aus der Stadt heraus geschnitten . Als hätte die dörfliche Gegend, die hier einmal gewesen war, nur unter dem Beton geschlafen. Die Luft hier war rein und die Stadt nur eine entfernte Ansammlung von Spitzen, Türmen, Glasfassaden am Horizont. In der Landschaft selbst verteilten sich eine Handvoll von Gebäuden. Klinkerbauten, vier Stockwerke hoch mit flachen Dächern. Wohnhäuser für die Siechen und die Irren, die dort nach ihren speziellen Bedürfnissen segregiert wurden. Selbst der Himmel war hier ruhiger, weniger von Licht verschmutzt und ein wenig schwärzer als anderswo.

Maxine fröstelte, trotz des schwülen Sommerabends. Sie trat ihre Zigarette auf dem Kies aus und griff durch das geöffnete Fenster ihres Wagens neben sich, um ihre Unterlagen hervor zu holen. Sie hatte eine Verabredung und langsam gingen ihr die Ausreden aus, die sie selbst glauben könnte.

Hinter ihr stand der größte der Bauten im Park, das eigentliche Haupthaus des „Sanatoriums Schlüsselburg“. Ein ehemaliges Rittergut mit zwei ausladenden Flügeln, mit spitzen Dächern und Fenstern und sich empor schwingenden Säulen. Die Ziegel waren ausgebleicht wie alte Knochen, und jetzt am Abend wirkte es wie eine alte Spinne, die in ihrem Nest saß. Fett und faul.

Die Glastüren schwangen automatisch vor ihr auf.

Die Eingangshalle öffnete sich bis fast zum Dach des Guts hinauf, über gut zwei Stockwerke, die über Galerien am hinteren Ende zu erreichen waren. Den Großteil der ersten Ebene nahm die Rezeption ein: Ein kreisrunder Tisch gigantischen Ausmaßes, hinter dem ein einzelner Mann mit vielen Computerbildschirmen, Papierunterlagen und Werbematerial saß.

Der Rezeptionist sah kaum auf, als Maxine eintrat. Erst als sie sich räusperte, blickte er sie an. Er hatte sie bei ihrer Trödelei beobachtet, dachte Maxine. Sie hatte direkt vor dem Eingang geparkt und sicherlich fünf oder zehn Minuten lang dort nur herum gestanden und gewartet. Er musste es leid gewesen sein, sie zu erwarten, und hatte sich wieder seiner Arbeit gewidmet.

Er hatte ein unfreundliches, etwas schwammiges Gesicht, und trug die nichtssagende Arbeitskleidung von Krankenhauspersonal. Keine persönlichen Gegenstände waren zu sehen, nicht einmal eine Tasse Kaffee oder ein Bild standen auf dem Schreibtisch. Nur auf seiner Brust prangte ein kleines Abzeichen: „Hallo, ich heiße Thaddäus“. Ein gescheiterter Versuch, menschliche Nähe auszustrahlen.

Thaddäus musterte sie mit der gleichen Skepsis. Der zerknitterte Anzug, die strubbeligen Haare, der abblätternde Nagellack auf den Fingern. Maxine war sich dieser Dinge nur allzu bewusst. Erst kürzlich hatte sie das Rauchen aufgeben wollen, ihre orale Fixierung aber irgendwie befriedigen müssen. Ihre Fingernägel hatten sich von der Tortur noch immer nicht erholt.

„Guten Abend. Was kann ich für sie tun?“, fragte Thaddäus.

„Maxine Schwarzbunn“, sagte sie und zeigte ihren Dienstausweis vor. „Kriminalpolizei Berlin. Sie hatten bei uns angerufen und um einen Kollegen gebeten?“

Thaddäus besah sich ausgiebig ihren Ausweis, sah dann kurz – aber so, dass sie es gut sah – auf seine Armbanduhr und dann zu ihrem Dienstwagen vor der Tür. Dem schäbigsten, den die Truppe zu bieten gehabt hatte.

Die Skepsis blieb ihm ins Gesicht gemeißelt.

„Ein gewisser Dr. Federer wollte bei uns Meldung machen?“, sagte Maxine, „Etwas über einen Flüchtigen?“ Obwohl ich wirklich nicht weiß, wieso der feine Herr sich nicht ins Präsidium bewegt, sondern mich hierher bestellt.

Maxine lächelte. Thaddäus schien ihr ein Bremser zu sein oder ein Deflektionist. Jemand, der Zeit für seinen Vorgesetzten schindete – indem er ihre Zeit verschwendete.

„Ich bin informiert.“

Thaddäus hatte eine trockene Stimme. Leidenschaftslos, unkooperativ. Als ob Maxine extra Überstunden genommen hätte, um ihn in seiner abendlichen Lektüre zu stören.

„Warten Sie bitte einen Augenblick hier“, sagte er, ehe er sich durch eine winzige Öffnung in dem kreisrunden Tisch zwängte. Zu beiden Seiten der Rezeption begannen die breiten Treppen, die in den zweiten Stock, auf die Galerien hinauf, führten. Der Weg war nicht weit, aber Maxine hatte den Eindruck, Thaddäus hätte das Matterhorn erklommen, so langsam bewegte er sich. Oben angekommen klopfte er gegen die doppelflügelige Tür direkt am Ende der Treppe. Ein spezifischer Rhythmus. Ein Mal kurz, zwei Mal lang, dann wieder kurz.

Nach etwa eineinhalb Minuten öffnete er die Tür, schloss sie hinter sich. Nach weiteren neunzig Sekunden öffnete er sie wieder und begann seinen Abstieg. Er quetschte sich wieder durch die Öffnung, nahm wieder auf seinem Stuhl platz. Unten angekommen zog er das Gästebuch aus einem Stapel an Büchern, öffnete es umsichtig auf der aktuellen Seite, drehte es um hundertachtzig Grad, so dass es zu Maxine zeigte und schob ihr einen Füllfederhalter zu.

„Wenn Sie bitte hier unterschreiben würden. Und dann nur dort die Treppe hinauf in die Galerie, der Herr Direktor erwartet sie.“

Maxine unterschrieb zähneknirschend, dann ging sie zum Büro nach oben, zwei Stufen auf einmal nehmend.

„Direktoriat Dr. Federer“ stand in die Messingplatte neben den Türen geätzt. Sie klopfte nicht, sondern trat direkt ein. Neid überkam sie. Sie hatte nicht einmal ein eigenes Büro. Als jüngste der Truppe teilte sie sich einen Raum von vielleicht einem Drittel der Größe mit zwei weiteren Kollegen.

Dieses hier… Dieses hier war kein Büro, sondern eine weitere Halle mit Deckenmalereien und Scheinsäulen und ausladenden Eichenschränken und Fischgrätenparkett. Alles war irgendwie weiß und silbrig und duftete. Es verströmte das selbe Ambiente, wie die Sommerluft draußen im Park: Einsicht in sich selbst, innere Ruhe. Isolation. Eine Art von rundem Fenster nahm den größten Teil der hinteren Wand ein, direkt unter dem Giebel. So, wie sie es sonst nur aus Kirchen und Kathedralen kannte.

Zur Seite hin stand ein massiver Schreibtisch. Ein Sekretär der alten Sorte, mit roter Lederbespannung, mit Messingnieten und Schnallen und Griffen, mit Aufsätzen für Briefpapiere und Buchständer, mit Tiegelchen und Tintenfässern und Stiftehaltern und Siegeln darauf verteilt.

Dahinter saß ein weiterer Herr, der wie eine reichere, ältere und gebildetere Version von Thaddäus wirkte: Dieser hier war fetter und er trug einen teuren Anzug mit silbernen Knöpfen und er war bereits ergraut und hatte schütteres Haar.

Er erhob sich, streckte Maxine die Hand hin. Ein freundlicher, warmer Griff. Nur die Handschuhe fühlten sich komisch auf Maxines Haut an, aber sie sagte nichts dazu. Extravaganz, dachte sie. Das erklärt den Anruf.

„Frau Schwarzbrunn, ja? Wie schön, dass sie Zeit für mich haben. Bitte, setzen sie sich. Dürfen Wir Ihnen etwas anbieten? Tee? Kaffee? Zigarre?“

„Danke, Herr Doktor Federer, aber ich muss ablehnen. Vorschriften, sie verstehen sicher. Dienst ist nun einmal Dienst…“

„Und Schnaps ist Schnaps“, sagte er und lachte. „Natürlich, natürlich. Dann kommen wir zur Sache, ja?“

Der Mann war weder Dr. Federer noch der Prof. Teer. Er war gar kein Doktor in irgendeinem Sinne, nicht einmal ein Mediziner. Und dennoch breitete er sich in dem Büro der Herren aus, als wäre es sein eigenes. Auf eine gewisse Art war er sogar der Direktor der Anstalt, wenn auch der heimliche. Aber Leopold von Schlüsselburg war gut darin, in diese Rolle zu schlüpfen. Sie war nur für ihn gemacht worden und er verstand es, gütig auf seinem Gutssitz zu walten und Gäste zu empfangen.

„Gern“, sagte Maxine und öffnete ihre Unterlagen vor sich. Ihr Notizbuch, eigentlich, das überquoll vor Zetteln und Papieren, die sie für verschiedene Dinge hinein gestopft hatte. Es waren nicht nur Notizen zu Fällen, die sie bearbeitete – so viele gab es davon noch gar nicht – sondern enthielt auch noch Mitschriften. Von Lagebesprechungen und Einweisungen. Alles, was zum Protokoll und zu den Vorschriften gehörte. Sie ging die Seiten durch, bis sie ihre hastig im Gespräch mit dem Leiter ihrer Direktion gekritzelten Notizen gefunden hatte.

„Sie haben einen Flüchtigen zu melden, habe ich das richtig verstanden?“

„Ja. Also nein. Die Sache ist delikat, weswegen ich bei Weißenfelsum Diskretion gebeten. Sehen Sie, wir sind nicht direkt befugt, unsere Gäste gegen ihren Willen hier festzuhalten. Wir sind ein Sanatorium, keine geschlossene Anstalt. Unsere Gäste können sich selbst entlassen, auch entgegen unserer Weisung oder Rat. Die fragliche Person ist also nicht direkt… flüchtig im juridischen Sinne.“

Leopold von Schlüsselburg lächelte entschuldigend, als er die hochgezogene Augenbraue Maxines sah. Er hatte ein einnehmendes Lächeln, breit mit feinen Zähnen, auch wenn es seine Augen nicht erreichte.

„Sie rufen die KriPo auf den Plan, weil einer ihrer Patienten den Kontakt abbricht?“, fragte Maxine. Sie hatte gewusst, dass es eine Strafe für sie sein sollte, aber nicht in diesem Ausmaß. Jetzt durfte sie Mäusefänger für die Anstalt spielen.

„Die Sache ist, wie ich sagte, delikat“, sagte der vermeintliche Arzt. „Ich bitte daher um ihr Schweigen in dieser Sache…“

Leopold zog eine Akte aus dem Sekretär. Ein brauner Umschlag, nur mit einem Aktenzeichen und dem Namen „Richard Hahntritt“ versehen. Darin befanden sich eine Reihe von Gutachten und Zertifikaten und weiteren Unterlagen, die das Sanatorium angefertigt hatte.

Maxine balancierte sie irgendwie auf den Knien und ihrem Notizbuch.

„Wir vertrauen der modernen Technik nicht gern, wenn es um Informationen über unsere Gäste geht“, sagte Leopold.

Wieder dieses Wort. Gäste. Als wären die Leute hier nur auf Kur.

Maxine brummte ihre Zustimmung, blätterte durch die Unterlagen.

Die Papiere bestätigten einen Aufenthalt eines Herrn Richard Hahntritt in den Mauern des Sanatoriums, vor erst wenigen Monaten. Psychologische Profile waren angefertigt, Therapiefortschritte belegt worden. Sie bescheinigten ihm eine labile Persönlichkeit, problematische Strukturierung des Ego und des Selbst, die eine Neigung zu Aggression, Unfähigkeit zur Annahme von Kritik, Minderwertigkeitskomplexe, und eine Gier nach Anerkennung führten.

Der angebliche Direktor Dr. Federer redete weiter, während Maxine sich einen laienhaften Überblick verschaffte.

„Richard ist eine catilinarische Existenz, wenn sie den Ausdruck verzeihen. Im Grunde ist er ein anständiger Mensch, aber seinem ganzen Wesen nach ist er auf die Befriedigung gewisser Triebe ausgelegt. Hunger, Gier nach Anerkennung oder Status. Seine recht spezielle psychische Beschaffenheit macht ihn anfällig, Frustration über diese Triebe nach außen zu richten, gegen seine Umwelt. Er ist ein wurzelloser Umstürzler – nicht aus Wahl, bitte sie, das nicht falsch zu verstehen, sondern aus Notwendigkeit. Er kann nicht anders, angesichts seiner Erziehung und Herkunft.“

Maxine verstand nur die Hälfte davon, notierte aber einige der Worte aus den Berichten, die sie für relevant hielt. „Komplexe Schizophrenie“. „Paranoische Anlagen“. „Projizierte Auto-Aggression“.

Hätte sie etwas mehr von Psychologie verstanden, so hätte sie bemerken können, dass viele dieser Begriffe Unsinn waren. Die Gutachten waren nichtssagend, sie kreisten immer wieder um das selbe Thema und enthielten außer fragwürdigem Jargon über die Psyche des Insassen keine direkte Auseinandersetzung mit ihm, die zu solchen Urteilen hätten führen können.

Und sie waren allesamt gefälscht. Eine Lüge, die die echten Herren Professor Teer und Doktor Federer in den letzten drei Tagen für Leopold von Schlüsselburg erstellt hatten. Keiner der Ärzte hatte bis vor kurzem auch nur von dem angeblichen Patienten gehört, geschweige denn ihn gewissenhaft untersucht.

Ein Umstand, den zu erwähnen Leopold von Schlüsselburg tunlichst vermied, um Maxine von der Gefährlichkeit des Richard Hahntritt zu überzeugen.

„Sie sehen, Frau Schwarzbrunn, weshalb ich mich sorge? Ich fürchte, er könne… Nun, er könnte dazu gebracht werden, anderer schmutzige Arbeit zu tun. Sein psychisches Profil macht ihn anfällig für Schmeicheleien. Wird ihm Anerkennung von falscher Seite zu teil… Er würde wohl wie ein ausgehungerter Hund handeln, ein vereinsamtes Biest, das im Tausch für ein paar liebevolle Worte die Grausamkeiten noch des letzten Unmenschen duldet.

Ich möchte ihn nicht gerne von dem Weg abgebracht sehen, auf den wir ihn in den letzten Wochen und Monaten mit Mühe gebracht.“

Maxine schob die Akte zu ihm zurück. Sie sah auf ihre Notizen, dann zu dem vermeintlichen Arzt vor sich. Leopold musterte sie ebenfalls. Aber wo Thaddäus sie lange und eindringlich angesehen hatte, prüfte der alte Scharlatan sie mit nur einem kurzen Blick. Er war geübt darin, Menschen einzuschätzen, und wenn er es tat wirkte es mehr wie ein kurzer, erwartungsvoller Blick.

Er wusste, dass die Polizistin sich noch ein wenig zieren würde, ehe sie ihm doch zu Diensten sein würde.

Denn Leopold hatte, ganz wie Melissa vorhersagte, eine Woche für die Wahl seiner Spielfigur gebraucht. Nur nicht aus Zögerlichkeit oder überdeutlicher Prüfung aller Umstände, wie sie dachte, sondern aus Strategie. Woran das Fräulein Melissa nämlich nicht gedacht hatte war, dass er seine Wahl von der ihren abhängig machen würde.

„Die Schutzpolizei wäre die bessere Anlaufstelle für Ihr Anliegen, Herr Doktor“, sagte Maxine. Sie klappte ihr Notizbuch zusammen, ließ es in ihren Schoss sinken. In Wahrheit spielte sie ein Spiel mit sich selbst. Eines, von dem sie erst nach ihrer Aufnahme erfahren hatte und auch nur hinter vorgehaltener Hand. Ziel war es, lange genug sich vor solchen Anliegen und Bitten zu zieren, um vor sich selbst den Anschein von Anständigkeit zu wahren.

Leopold lächelte und spielte es mit. Er war nichts, wenn nicht ein großer Spieler.

„Ich bin kein Sozialarbeiter“, sagte sie.
Leopold nickte.

„Natürlich nicht. Ich erwarte gar nicht, dass Sie ihm helfen.“

„Wir sind auch keine Privatpolizei. Wir können nicht einfach Leute festnehmen, auf irgendeinen vagen Verdacht hin.“

Leopold nickte erneut.

„Schutzhaft ist aus gutem Grunde abgeschafft“, sagte er.

„Was soll ich Ihrer Meinung nach also tun, Herr Doktor Federer? Ich kann Ihren nicht-entlaufenen nicht-Sträfling kaum einfach festnehmen und zu Ihnen zerren, damit er seine Therapie beendet.“

Der vermeintliche Arzt faltete die Hände über den Silberknöpfen seiner Weste. Er lehnte sich zurück und blickte aus dunklen Augen hinüber zu der ungleich jüngeren Frau. Augen, die mehr wussten, als sie ihr verrieten.

„Nichts weiter, als ihm ein wenig Angst einjagen, damit er wieder auf den rechten Pfad der Tugend zurück findet. Etwas angewandte Autorität würde vollauf genügen, so wie Wir ihn einschätzen, dass er zurück kehrt zu uns. Sie müssten ihn nur ein wenig… zerzausen und in Ordnung bringen.“

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