Schuld und Sünde – Teil I: Ein Abend unter Ehrenmännern

Das Palais des Prinzen Heinrich war gewöhnlich voller Leben. Tausende junger Menschen wuselten durch seine Gänge, quatschten miteinander. Auf der Suche nach Vorlesungssälen, Seminaren, Vorträgen und Bibliotheken befüllten sie die hohen Hallen mit einem ständigen Rauschen. Üblicherweise fanden sich beinahe immer mehrere Dutzend Studenten auf dem großen Platz zwischen dem Haupttrakt und den Seitenflügeln ein, rauchten, debattierten und vertrieben sich den tag.

Nachts schwemmte ein Großteil davon aus dem Hauptgebäude heraus, über den Vorplatz und auf die Allee, die sich vom Pariser zum Alexanderplatz zog. Und obwohl dort das Nachtleben noch weiterging, blieb das Palais selbst nach Einbruch der Dunkelheit bis auf nur wenige Besucher und Arbeitssüchtige, die sich von ihm auch nicht in der dunklen Stunde trennen konnten, leer. Verwaist. Nur der feine Geruch von Gras, vermengt mit einer Spitze Säure und einer Spur Vanille füllte die Hallen durch die Hallen.

Von einem Fenster der Aula aus, direkt über dem Säulengang der den Haupteingang markierte, blickte ein Paar Augen hinab auf das Treiben jenseits des Platzes und jenseits der schmiedeeisernen Tore. Sie gehörten einer jungen Dame, die zwar ganz im Treiben der Menschenleiber aufging, sich aber fast nie unter die Studenten der Akademie mischte, die sich im Palais des Prinzen einquartiert hatte.
Sie war aus einem anderen Grund in dieser Nacht dort.

Die Aula nämlich war eine Art von Vorzimmer – ein großes zwar, aber dennoch – für das Büro des Direktors. Der Direktor selbst wäre heute Nacht nicht zu erreichen, aber trotzdem wartete eine kleine handvoll Besucher vor seinem Büro auf Einlass. Neben der jungen Dame, die auf einem Hocker bei den Fenstern saß und hinunter blickte, hatten sich zwei alte Herren von einiger Statur und Alter eingefunden. Um den Gästen die Nacht nicht allzu lang werden zu lassen, hatte eine namenlose Hand einige Spiele in die Aula geschafft, die ansonsten wohl nur mit Bänken und Redepulten und solchen Dingen voll gestellt war. Spieltische für das Billard und Roulette, Kartenspiele wie Poker und Skat oder Pharo standen ebenso Backgammon und Würfel bereit.

Da die Dame bereits in den letzten Stunden alle ihr irgendwie mögliche Freude mit den Spieltischen und den Kartenspielen gehabt hatte, hatte sie sich zurück gezogen und den zwei Herrschaften den Vorrang gelassen. Der kam ihnen ohnehin zu, denn sie waren beträchtlich älter und außerdem von höherem Rang.

Es machte ihr nichts aus, zu beobachten. Oder eher: Eine höfliche Beobachtung vorzutäuschen. In Wahrheit hasste sie Billard ohnehin. Es war ein viel zu ruhiges Spiel. Eines bei dem ihr das Blut stockte, statt zu kochen, und sie ertrug es nicht, lange ohne diese Aufregung zu sein. Dieser Hunger, der sie antrieb, ließ sich nur mit anderen Kugeln und anderen Stößen befriedigen.

Die älteren Herrschaften dagegen bewegten sich wie Raubtiere um den grünen Filz. In ihren Händen waren die Queues Instrumente höchster Präzision und Gewalt. Ganz genau nahmen sie Maß, stießen die Kugeln exakt so an, dass sie mit berechneter Wucht in das Ziel knallten und auch nicht einen Iota daneben.

Das Spiel schläferte in seiner Perfektion ein. Darum ging es aber auch, so viel immerhin begriff die junge Frau. Die Bewegungen der Kontrahenten, ihre Punkte und Züge, bedeuteten mehr als den Sieg oder die Niederlage in einem Zeitvertreib. Es ging um ein ungleich komplexeres Spiel, das die beiden Herren seit einigen Jahrzehnten bereits miteinander spielten. Karten oder Billard oder Dart waren nur einige der Mittel, derer sie sich bedienten, um eine endlose Liste an Punkten und Partien weiter zu führen.

Doch schien es nicht, als wollten sie in dieser Nacht zu einem der spannenderen Mittel greifen. Jedenfalls nicht im Vorzimmer des Direktors.

Leopold von Schlüsselburg war ein Mann von großer Statur: Breit, groß und voluminös wie ein Fass, das scheinbar nur von den Silberknöpfen seiner Weste zusammen gehalten wurde. Er stützte sein Gewicht auf den Queue, während er der letzten Kugel dabei zusah, wie sie in ihr Ziel rollte. Seine fleischigen Lippen krümmten sich zu einem Lächeln.

„Monsieur Oberleutnant“, sagte er, „mir scheint, ich habe diese Partie gewonnen.“

Der Oberleutnant betrachtete das Ergebnis so, wie er alles in seinem Leben betrachtet hatte: Mit kühler Akzeptanz der Tatsachen. Was nicht hieß, dass er dem Aristokraten zu diese Tatsachen mochte.

„Was halten sie von Pharo?“, sagte anstelle einer Gratulation. „Das Fräulein Melissa könnte dazu stoßen, unser Altherrenspiel scheint sie zu langweilen.“

„Ich hasse Kartenspiele“, warf Melissa von der Seite ein. „Nehmen Sie bitte keine Rücksicht auf mich, meine Herrschaften, ihr wunderbares Spiel zu beobachten ist mir Vergnügen genug.“

Eine durchschaubare Lüge der Höflichkeit. Sie hatte das Kinn auf ihrer Handfläche abgestützt und starrte auf das Treiben unter den Linden. Sie wünschte, sie könnte dort unten sein statt bei den alten Säcken und ihrem höflich maskierten Kleinkrieg gegeneinander.

Sie wünschte, die Türe würde sich endlich öffnen und sie alle ins Büro eingelassen werden. Oder jedenfalls der Oberleutnant, dem als ältesten Anwesenden der Vortritt zukam, auch wenn Sie bereits seit Einbruch der Nacht hier gewartet hatte und wohl noch bis in die frühen Morgenstunden hier warten würde.

Von Schlüsselburg entschied sich, Anstoß an ihrem Desinteresse zu nehmen. Er zog eine Braue in die Höhe und warf ihr einen Blick zu. Der Oberleutnant nahm ihre Antwort dagegen kaum zur Kenntnis. Sein Angebot war genau wie ihre Höflichkeit: Leer und vorgetäuscht. So war er schon, so lange Melissa mit ihm bekannt war. Der Oberleutnant war distanziert bis zur Unperson und wandte sich ohne Umschweife wieder seinem Gegenspieler zu.

„Als denn, was spielen wir stattdessen?“, fragte er. „Ich denke die Zimmertüre des Direktors wird sich nicht für Mitternacht öffnen, nicht einmal für mich. Ich höre mein lieber Freund hat in den letzten Nächten einiges im eigenen Hause zu kehren.“

Ein Satz, bei dem Melissa leise aufstöhnte und ihre Stirn gegen das Fensterglas lehnte. Sie würde wirklich die ganze Nacht hier verbringen und mit ein wenig Glück dem sehr verehrten Herren für fünfzehn Minuten ihre Aufwartung machen, ehe die Sonne aufging und alle zu ihrem Tagesgeschäft zurück kehren würden. Was hieß, dass sie von diesen fünfzehn Minuten gut zehn mit dummen Floskeln verbringen und vielleicht fünf für ihr eigentliches Anliegen aufwenden könnte.

Sie wollte dort unten sein. Unter den warmen Leibern, die ihr Leben dort draußen in Ekstase führten – und nicht mit den zwei Herren hier drinnen eingesperrt.

„Sie müssen Geduld lernen, Demoseille Melissa“, sagte Leopold. Er und der Oberleutnant begaben sich an einen der Kartentische eröffneten eine Partie Backgammon. Die gefühlt hundertste in diesem Jahr. Melissa sah aus den Augenwinkeln, wie zu würfeln begannen. Sie hatte die Stirn noch immer an das Fenster gepresst, als ob sie sich hindurch drücken und so diesem Gefängnis aus Langeweile entkommen könnte.

„Sie werden Recht haben, mein Herr“, antwortete sie zerknirscht. „doch sehen Sie es mir nach: Die Ungeduld der Jugend lässt sich nicht leicht zügeln. Und ist es nicht die Leidenschaft, die alle Hürden zu überwinden vermag?“

„Ich ziehe vor, unser Streben nach Gerechtigkeit für unseren größten Motivator zu halten. Leidenschaft, von Disziplin gezügelt, macht aus jedem Mann einen besseren.“

Melissa hörte, wie der Oberst dabei schnaubte, die Sache aber nicht vor ihr auszubreiten bereit war.

„Oder aus jeder Frau“, fügte von Schlüsselburg mit einem Blick zu ihr hinzu. Seine blauen Augen irritierten sie. Irgendetwas darin funkelte. Sie sah es ihm ganz deutlich an, dass er auf irgendetwas lauerte. Dieser Blick reizte sie… und sie stieg auf sein Spiel ein.

„Gier – nach Erfolg oder Sieg oder meinetwegen auch nur Nahrung – ist etwas ganz und gar viehisches. Ein Urinstinkt, mein Herr“, sagte sie, „und steht uns tiefer als alle hohen Ideen in die Seele geschrieben. Es ist meine Ansicht, dass ein Mann, dem es nach allem hungert, seine Gier auf jede erdenkliche Weise zu befriedigen sucht.“

„Und doch wird ein methodischer, geduldsamer Mann – einer, der aus überlegtem Kalkül handelt – schneller an sein Ziel kommen. Ich würde sogar sagen, er wird noch weiter darüber hinaus schießen. Sie sehen, Demoiselle, wie weit es unser verehrter Herr Oberleutnant gebracht hat und sie werden kaum einen gewissenhafteren Mann in dieser Stadt finden.“

„Junker“, sagte der Oberleutnant zwischen zwei Spielzügen, „halten Sie mich aus ihrer Debatte heraus. Es gefällt mir nicht, von Ihnen als Beispiel gebraucht zu werden.“

Leopold von Schlüsselburg lächelte dem Oberleutnant zu, verneigte achtungsvoll das Haupt, dann zeigte er sich zum Schein nachgiebig.

„Ich denke wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind, Demoseille. Besonders in Fragen der Seele, mit der wir uns wohl beide sehr beschäftigt haben in letzter Zeit. Nur in einer Sache dürften wir wohl überein stimmen.“

Melissa hatte bereits vor einiger Zeit ihre Aufmerksamkeit wieder auf die zwei Spieler gelenkt. Hätte sie den restlichen Abend über aufgepasst, hätte sie erkannt, dass die beiden lange schon nicht mehr miteinander spielten, auch wenn die Würfel noch fielen.

„Nämlich?“, fragte sie, eine Spur zu neugierig.

„Dass nur Blut Narretei reinwäscht.“
„In der Tat stimme ich Ihnen zu, verehrter Herr von Schlüsselburg. Die Frage bleibt aber: Wessen Blut wäscht wessen Blödsinn?“

Das war der Augenblick, auf den der Ältere gewartet hatte. Melissa fühlte es so sicher, wie sie eine Bärenfalle gefühlt hätte, die sich in ihre Knöchel gefressen hätte. So sicher, wie sie ihr Herz mit einem Male dröhnen hörte.

„Darf ich dann der Demoseille ein anderes Spiel vorschlagen?“, fragte Leopold. „Eines, das ihre Nerven ein wenig mehr kitzelt?“

Melissa zog ihre Augenbrauen zusammen. Sie sah von dem Junker, der die Frage wie beiläufig gestellt hatte und von seinem Backgammon gar nicht aufsah, zum Oberleutnant. Auch er schien in das Spiel vertieft. Zu sehr, zu bewusst. Als wäre sie als Gegenspielerin überhaupt nicht ernst zu nehmen.

Spielten die beiden nun mit ihr? Oder nur der Junker?

Sie könnte einen Rückzieher machen. Sie könnte erklären, sie sei gar nicht in der Stimmung für irgendwelche Spiele und wolle nur im Direktorenzimmer ihre Aufwartung machen. Tatsächlich hätte sie wenig dabei zu verlieren, gerade einmal die Achtung der zwei alten Herren, von der sie ohnehin nicht viel besaß.

Das aber hieße, ihren Spieltrieb zu verleugnen. Gewissermaßen sich selbst zu leugnen. Sie fühlte sich wie in einer Meute Katzen, der eine Maus vorgeworfen wurde. Nur war sie nicht sicher, wer von ihnen die Katze und wer die Maus war.

„Falls sie russisches Roulette meinen, verehrter Herr von Schlüsselburg“, sagte Melissa, „so fürchte ich, dass auch dieses mich wenig reizt…“

„Mitnichten. Ich schlage ein neues Spiel vor. Ein Spiel um die süße Gewöhnlichkeit des Verbrechens“, sagte Leopold. „Die Alltäglichkeit, mit der der Mensch sich in die undenklichsten Grausamkeiten wirft.“

„Was meinen Sie, mein Herr?“

„Eine Wette, schlicht und ergreifend. Ich wette mit ihnen, dass ein Mann mit Kalkül und kalter Ratio zu Dingen in der Lage ist, die selbst den leidenschaftlichsten Mann noch schrecken würden.“

Die junge Frau sah zum Oberleutnant, der sie weiterhin ignorierte. Er schien in der Miene des alten Mannes ihm gegenüber lesen zu wollen, was der Grund für diesen Vorschlag war. Weshalb er sich überhaupt mit der so jungen und ungestümen Frau abgab.

„Und ich…“, begann Melissa langsam zu verstehen, worauf er hinaus wollte.

„Sie halten dagegen, dass ein hungriger Mann, wenn er dadurch seine Gier zu befriedigen glaubt, zu abscheulicheren Dingen fähig ist.“

Melissa überkam es bei diesem Satz. Sie fühlte in ihrer Brust zum ersten Mal an diesem Abend, vielleicht seit einiger Zeit, diesen Rausch, dieses Brennen, das ein gefährliches und gewagtes Spiel ankündigte. Etwas, das ihr Blut zum kochen brachte.

„Und wir hetzen diese Männer aufeinander?“

„Ein hässliches Wort“, sagte Leopold und verzog eine Miene. „Aber ja, meinetwegen, nennen wir es ein soziales Experiment. Wir lassen sie gegeneinander antreten. Wer von uns zuerst seinen Mann überzeugt hat, die Tat zu begehen, der gewinnt die Partie. Lediglich würde ich stipulieren, dass es sich um… sagen wir um anständige Männer handeln sollte. Nicht dieses Pack, das ohnehin schon mordet, wie es ihm beliebt.“

„Wäre es…“

Melissa brach ab, ihr Blick huschte vom Oberleutnant Büttner zu Leopold und zurück.

Mäßigung, dachte sie. Etwas Contenance und Mäßigung, wenn du mit den alten Herren spielen willst. Lass sie nicht wissen, wie unbedingt du in ihrer Liga spielen willst.

„Hätte der sehr verehrte Herr Oberleutnant denn etwas gegen eine solche Wette einzuwenden? Ich meine, ich bin natürlich in den Gesetzen nicht so bewandert wie er.“

„Ach was, ach was, solange wir uns dort einigermaßen benehmen und nicht völlig die Zügel schießen lassen wird der verehrte Herr Oberleutnant kaum etwas einzuwenden haben, nicht wahr?“

Der Oberst war während ihres Austausch ganz ruhig geworden, ganz stumm. Er schien nun weniger wie ein Mensch und mehr wie eine Statue, die vergessen hatte, dass sie sich überhaupt einmal bewegt hatte. Seine Stimme verriet kein Urteil, weder in die eine noch in die andere Richtung.

„Solange Sie die Angelegenheiten aus den Nachrichten heraus halten, gäbe es für mich keinerlei Grund zu intervenieren. Die Moralität der Wette ist allein ihre Sache, die Legalität findet nur mit dem Einsatz von Blut ihre Grenzen.“

„Und wir haben kaum vor, diesen kleinen Zeitvertreib unter Freunden derart aus dem Ruder laufen zu lassen, nicht wahr, Demoiselle Melissa?“

Immer noch funkelten seine Augen, eine gefährliche Freude darin.

„Natürlich nicht. Nichts steht mir ferner als dem sehr verehrten Herren Umstände zu bereiten.“

Sie lächelte, ihre schmalen Lippen zogen sich über ihre Wangen. In ihren Augen blitzte es. Sie teilte diesen Blick einen Augenblick lang mit Leopold.

„Und unsere Waffen?“, fragte sie dann.

„Worte und eine frei zu erwählende Figur.“

„Nichts als Worte?“

„Meine Hand darauf. Nichts als ihr Wort gegen meines – und die alles entscheidende Auswahl der Spielfiguren natürlich.“

Noch zögerte Melissa. Sie kannte von Schlüsselburg gerade gut genug dazu. Sie wusste genug von ihm, um hinter seinem Vorschlag einen tieferen Grund zu vermuten, aber nicht gut genug, um auf diesen leicht zu stoßen. Der alte Aristokrat bemerkte es und überzog seine Worte in Honig und guten Willen.

„Verehrter Herr Oberleutnant“, sagte er mit einem Blick zu selbigem, „Würden Sie uns die Ehre erweisen, der Richter über unsere kleine Wette zu sein? Sie sind gänzlich unbefangen und in der ganzen Stadt rühmt man ihre Treue zum Gesetz.“

Zum ersten Mal in dieser Nacht zeigte der Oberleutnant Interesse an ihr, musterte sie wie eine Person und nicht wie ein Stück Fleisch, das einige Kunststücke wie Sprechen und Laufen vorzuführen in der Lage war. Seine Blicke waren Spieße, die sich in Melissens Brust bohrte. Sie hätten ihr den Atem genommen, wenn Sie nicht lange schon atemlos gewesen wäre. Mit diesem Blick allein begriff sie, weshalb der alte Herr der Chef der geheimen Polizei war. Hätte er seine volle Macht in diesen Blick gelegt, sie hätte ihm alles verraten, hätte sich jedes Geheimnis aus der Brust gerissen, um es ihm zu opfern.

„Wenn das Fräulein einverstanden ist und willens, meinen Schiedsspruch zu akzeptieren?“

Melissa sah hinaus, zu dem Treiben auf der Prachtstraße. Es wäre eine Gelegenheit für sie. In dieser Sache hatte der alte Lügner recht: Oberleutnant Büttner war neutral, wenn er nicht sogar eher dazu neigte, Leopold kritisch gegenüber zu stehen. Und ein Gefallen von dem alten Junker wäre viel wert. Sie könnte einiges gewinnen. Nicht zuletzt Ansehen bei den Älteren und Einfluß überall dort, wo sie ihre Finger im Spiel hatten.

Sie atmete ganz bewusst ein, nickte dem Oberleutnant zu.

„Ich nehme die Wette an.“

„Dann gilt ihr Wort, Fräulein Melissa, Herr von Schlüsselburg. Derjenige, dessen Figur zuerst die des Anderen schlägt, gewinnt diese Partie und eine Gefälligkeit vom Verlierer. Die Figuren müssen innerhalb der nächsten Woche erworben werden und dürfen bisher mit keinem von ihnen – oder einem anderen – affiliiert gewesen sein. Geheime Kräfte, direkte Intervention eines Spielers gegen die Figur eines anderen oder Bekanntwerden dieser Wette in der Öffentlichkeit, sind ein automatisches Forfait. Ein Sieg muss mir gemeldet und von mir geprüft werden. Zugunsten des jungen Fräuleins verzichte ich dazu auf mein übliches Honorar.“

Die junge Frau wandte ihren Blick wieder hinaus, in Gedanken schon ganz bei der Planung ihres ersten Zugs in diesem neuen, so viel aufregenderem Spiel.

Immerhin schien die Nacht endlich etwas Aufregung zu versprechen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.